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Etwa 400 Besatzungsmitglieder als Geiseln
Derzeit 19 Schiffe gekapert
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Somalische Piraten haben im Golf von Aden ungeachtet des internationalen Marineeinsatzes zwei weitere Schiffe gekapert. Türkische Medien berichteten am Mittwoch, Bewaffnete hätten am Vortag einen 100 Meter langen Frachter der türkischen Reederei Isko Marine Shipping in ihre Gewalt gebracht. Es ist bereits das dritte türkische Schiff, das in der Region in die Hände von Seeräubern gefallen ist.
Piraten kaperten im Golf von Aden außerdem ein Schiff, das im Auftrag des französischen Energiekonzerns Total unterwegs war. Ein Hafenbeamter in der jemenitischen Stadt Mukalla sagte, der Schlepper habe den Hafen von Mukalla am Dienstag mit dem Ziel Malaysia verlassen. Wenige Stunden später sei es von den Piraten angegriffen worden. Zur Zahl der Besatzungsmitglieder, die größtenteils aus Südostasien stammen sollen, machte er keine Angaben. Das Schiff sei für den französischen Konzern gefahren, der in der südlichen Provinz Schabwa ein großes Gas-Export-Projekt betreibe.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat im Bundestag für ein Mandat der Bundeswehr zur Piraten-Bekämpfung vor der Küste Somalias geworben. «Das ist keine Geschichte aus einem Abenteuerroman», sagte Steinmeier am Mittwoch in der ersten Beratung des Parlaments über das Mandat. In diesem Jahr hätten Piraten am Horn von Afrika bereits über 200 Schiffe überfallen.
Nach Angaben des Ostafrikanischen Seefahrerprogramms sind gegenwärtig 19 Schiffe und etwa 400 Geiseln in der Gewalt der Piraten. Die Beteiligung an der EU-Mission «Atalanta» sei für die Bundeswehr «kein Ausflug in warme Gefilde. Die Deutsche Marine solle ein «robustes Mandat» bekommen, das ausdrücklich die Anwendung von Gewalt einschließe.
Der Minister betonte aber, die vom UN-Sicherheitsrat am Dienstagabend (Ortszeit) beschlossene Erweiterung des UN-Mandats, wonach ausländische Streitkräfte Piraten auch noch auf dem somalischen Festland verfolgen dürfen, gelte nicht für Deutschland. «Das ändert am Auftrag und Umfang der ESVP-Operation und damit am Mandat des Bundestags nichts», sagte Steinmeier.
Nach dem Willen der Regierung soll Deutschland bis zu 1400 Soldaten und eine Fregatte stellen. Die EU hat die Mission am 8. Dezember gestartet. Damit soll die internationale Hilfe für die notleidende Bevölkerung in Somalia sowie die Handelsroute durch das Seegebiet vor Somalia und den Golf von Aden gesichert werden. Den endgültigen Beschluss über den Bundeswehreinsatz fällt der Bundestag am Freitag.


