Auslaufverbot für Eisbrecher "Arkona"
Mittwoch, 16. Januar 2008
Der auch zur Ölbekämpfung nach Havarien auf See einsetzbare Eisbrecher "Arkona" darf den Stralsunder Hafen nicht verlassen. Grund für das Ausfahrverbot seien anhaltende Probleme am Antrieb des Multifunktions-Schiffes, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Holger Brydda, am Dienstag.
Das 44 Millionen Euro teure Schiff war erst im April 2005 in Dienst gestellt worden. Der Germanische Lloyd hat bereits ein Jahr danach erste Mängel festgestellt, dem Schiff inzwischen die Klassifizierung entzogen und es damit bis zur Behebung der Mängel an die Leine gelegt. Das Mehrzweckschiff soll bei Havarien zur Ölbekämpfung, zum Eisbrechen, Notschleppen und zur Feuerbekämpfung vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns eingesetzt werden.
Nach Angaben Bryddas hat der Ausfall der in Stralsund stationierten "Arkona"auch Auswirkungen für mögliche Ernstfälle. "In einem Havarie-Fall würde das Schwesterschiff "Scharhörn" von Lübeck oder Kiel in Richtung Osten auslaufen", sagte er. Damit verlängerten sich gegebenenfalls die Anfahrtswege zur Unglücksstelle. Das Eisbrechen könnten im Ernstfall die in Stralsund stationierten Tonnenleger übernehmen. "Das Notfallkonzept greift zwar noch immer, aber eine Lösung ist das langfristig nicht", sagte der Amtschef. Seit dem Auftreten der ersten Probleme im April 2006 habe das Schiff mehr als die Hälfte der Zeit zur Reparatur im Hafen gelegen.
Die "Arkona" ist Bryddas Worten zufolge mit zwei manövrierfähigen, aber anfälligen Antrieben ausgerüstet. Über zwei 360 Grad drehbare und mit Propellern ausgestattete Gondeln, die sich in drei Metern Wassertiefe am Achterschiff befänden, könne das 4800 PS starke Schiff auf kleinstem Raum operieren. "An die Elektromotoren im Innern der Gondeln darf jedoch kein Wasser geraten", sagte Brydda. In den letzten Monaten hätten sich an dem komplizierten elektronischen Mechanismus immer wieder Probleme mit den Dichtungen, ein erhöhter Abrieb sowie unerwartetete Wärmeentwicklungen gezeigt. "Im Gegensatz zu Autos sind Schiffe Unikate, so dass im Vorfeld die Probleme nicht absehbar waren", sagte Brydda.
Das Schiff wurde auf der Wolgaster Peene-Werft gebaut. Die Antriebe stammen von der Firma Schottel, die auch in Wismar eine Niederlassung für Antriebstechnik betreibt. Inzwischen habe sich die Rechtsabteilung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion mit dem Fall beschäftigt. Die Verträge schlössen Regresszahlungen aus. "Die Garantiezeiten konnten jedoch von zwei auf vier Jahre verlängert werden", sagte Brydda. Dadurch entstünden dem Wasser- und Schifffahrtsamt keine Reparaturkosten. Wann das Schiff wieder einsatzbereit ist, sei derzeit nicht absehbar. Die "Arkona" ersetzt den Eisbrecher "Stephan Jantzen", der 38 Jahre ohne größere Probleme im Einsatz war, aber enorme Betriebskosten verursacht hatte.

