Kritik an geplanten Ems-Probestaus
Donnerstag, 26. Juni 2008
50 Kritiker der zwei für Sommer und Herbst in der Ems beantragten Probestaus haben am Mittwoch ihre Einwände offiziell vorgetragen. Die Gegner erläuterten ihre Vorbehalte in Leer bei einem Treffen mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der demnächst über die geforderten Probestaus zu entscheiden hat. Nach Angaben der NLWKN-Sprecherin Herma Heyken haben Bürger, Verbände, Kommunen und Behörden zahlreiche Einwände. Schriftlich hätten sogar 78 Kritiker Widerstand geäußert.
Bei den Probestaus soll untersucht werden, ob die Ems auch außerhalb des Winterhalbjahres ein Aufstauen länger als zwölf Stunden verkraftet. Die Stautermine Mitte August und Ende September sollen bis zu 52 Stunden laufen. Dabei wird der Sauerstoffgehalt im Fluss gemessen. Ist er akzeptabel, wäre die Überführung von Schiffen in den kommenden Jahren auch im Sommer ohne Zeitdruck möglich.
In der bisherigen Regelung ist festgesetzt, dass ein Aufstauen der Ems nur dann länger als einen halben Tag dauern darf, wenn ihr Sauerstoffgehalt je nach Temperatur mehr als fünf oder sechs Milligramm pro Liter beträgt. Im Normalfall sei ein Wahren dieser Grenzen nur im Winterhalbjahr zu erwarten - Wassertemperatur und Fließgeschwindigkeit beeinflussen den Sauerstoffgehalt eines Flusses.
Nach Heykens Angaben ist die Ems bisher 13 Mal gestaut worden - außerhalb des Winterhalbjahres allerdings nie länger als zwölf Stunden. Jedoch sei der Sauerstoffgehalt zu keiner Zeit gesunken. Deshalb werde nun davon ausgegangen, dass auch bei den Probestaus der Wert jenseits der zwölf Stunden nicht in den Keller sinke. Außerdem könne der Probestau jederzeit abgebrochen werden, sagte Heyken.
Den Antrag auf die Probestaus hat die NLWKN-Betriebsstelle Aurich gestellt. Hintergrund sind Pläne der Papenburger Meyer-Werft, in den kommenden Jahren Schiffe der XXL-Klasse auch im Sommer in die Nordsee zu überführen. Es sei davon auszugehen, dass der Landkreis Emsland «demnächst» ein Aufstauen der Ems für die Auslieferungstermine im Sommer beantrage. Auch sei abzusehen, dass die Zwölf-Stunden-Grenze für die immer größer werdenden Schiffe nicht mehr ausreiche. Deshalb habe der NLWKN die Probestaus beantragt, um mit genügend Vorlauf und den Messwerten eine Basis für die anstehende Entscheidung zu haben.
BUND und WWF kritisieren die Pläne hart, weil der NLWKN über einen Antrag aus dem eigenen Hause entscheide. «Das Verfahren ist eine Farce. Die Ems entwickelt sich zum rechtsfreien Raum. Die Genehmigungsbehörde agiert als Handlanger der Meyer-Werft», erklärten die Naturschützer am Mittwoch per Schreiben. Sie fürchten einen weiteren «Tabubruch auf Kosten der Natur, um die Ems Schritt für Schritt zu einer ganzjährig befahrbaren Wasserstraße umzubauen.»
Sprecherin Heyken entgegnete, dass die Genehmigungsbehörde in der NLWKN-Direktion in Norden angesiedelt und «organisatorisch getrennt» vom Antragsteller in der Betriebsstelle Aurich sei.
Für die Meyer-Werft bietet bereits der Probestau Vorteile. Bei Versuch Nummer zwei im September soll ein Schiff überführt werden.

