NATO-Konferenz in Kiel
Marine-Einsätze in Küstengewässern
Donnerstag, 23. Oktober 2008
Terrorismus, lokale Konflikte und Piraterie verlagern Marine-Einsätze der NATO zunehmend von der hohen See in Küstengewässer. Über Besonderheiten dieser Operationen beraten rund 150 Fachleute aus Militär, Industrie und Wissenschaft noch bis heute (23.10.) in Kiel. Dazu hatte das neue Kompetenzzentrum der NATO für Operationen in Flachwassergebieten und Küstenmeeren eingeladen. Die Konferenz diene dazu, Empfehlungen für Streitkräfte und Politik zu erarbeiten, sagte der Vorgesetzte der internationalen Dienststelle und Kommandeur der Marine-Einsatzflottille 1 in Kiel, Kapitän zur See Rainer Brinkmann.
Nach Einschätzung Brinkmanns nimmt die Bedeutung der Küstengebiete mit wachsendem Seeverkehr weiter zu. Obwohl Deutschland immens vom freien Welthandel abhänge, sei die Bedeutung der See als Ganzes im Bewusstsein eher wenig verankert, sagte Brinkmann. «Wir als Marine sind gut aufgestellt dank guter Planung und guter Überlegungen», äußerte er auf die Frage, ob die Deutsche Marine mit ihren Schiffen hinreichend für die Verlagerung der Einsatzschwerpunkte auf die Küstengewässer gerüstet ist. «Ein Mehr wäre wünschenswert, wir sind aber zufrieden mit dem, was wir haben.»
Den Ausschlag für Kiel als Standort für eines einer ganzen Reihe von NATO-Kompetenzzentren gaben Brinkmann zufolge mehrere Faktoren.
So habe die deutsche Marine aus historischen Gründen viel in Nord- und Ostsee in küstennahen Gebieten operiert. Hinzu kämen die Marine- Tradition Kiels - einschließlich Schiffbau - und die Tatsache, dass in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die Einsatzflottille I der Deutschen Marine ihren Sitz hat. Zu ihr gehören die Marineabwehrschiffe in Kiel, Schnellboote und Korvetten in Rostock- Warnemünde sowie U-Boote, Kampfschwimmer und Minentaucher in Eckernförde.
Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette verwies auf die große Erfahrung im Norden mit engen, flachen und tideabhängigen Küstengewässern. «Mit unserer Kompetenz in maritimer Wirtschaft sind wir ein geradezu prädestinierter Standort für eine solche hochkarätige Konferenz», sagte der CDU-Politiker. Mit seinen Werften und der Spezialisierung auf den U-Boot-Bau in Kiel habe das Land technologisch ebenso viel zu bieten wie im militärischen und polizeilichen Küstenschutz.

