TUI behält Kreuzfahrtgeschäft
Mittwoch, 19. März 2008
Nach einem radikalen Kurswechsel setzt der bisherige Touristik- und Schifffahrtskonzern TUI künftig ausschließlich auf das Reisegeschäft und will dort kräftig investieren. Die Trennung von der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd und damit die Abkehr von der bisherigen Zwei-Säulen-Strategie begründete TUI-Chef Michael Frenzel am Dienstag in Hannover mit dem Druck von Finanzinvestoren. Es habe die Gefahr von «Zerschlagungsszenarien» gegeben, die der TUI-Vorstand nicht mehr hätte kontrollieren können.
Bei der Trennung von Hapag-Lloyd liege die Priorität nun auf einem höchstmöglichen Erlös. Die Abspaltung werde «einige Zeit in Anspruch nehmen». Die TUI-Führung hatte am Montag beschlossen, sich nach mehr als zehn Jahren wieder von Hapag-Lloyd und der Sparte Containerschifffahrt zu trennen. Das Kreuzfahrtgeschäft bleibt bei der TUI.
Geprüft werden nun mehrere Optionen, darunter eine Fusion des Containergeschäfts mit einer anderen Reederei und ein Komplett- Verkauf von Hapag-Lloyd. Bei der Trennung seien sowohl die Interessen der Anteilseigner wie auch der Beschäftigten angemessen zu berücksichtigen. Die Gefahr, dass «tausende» Arbeitsplätze bei Hapag- Lloyd gefährdet seien, sieht Frenzel nicht. Hapag-Lloyd hat weltweit rund 8000 Beschäftigte, darunter rund 1900 in Hamburg.
Bei der Abstimmung im TUI-Aufsichtsrat am Montag hatte es Gegenstimmen von Arbeitnehmervertretern gegeben. Sie sehen die Zwei- Säulen-Strategie nach wie vor als die beste Lösung an. Wesentlich seien nun die Sicherung der Jobs bei Hapag-Lloyd, stabile Eignerstrukturen und der Erhalt des Standortes. Eine Gruppe Hamburger Investoren und Kaufleute will sich dafür einsetzen, Hapag-Lloyd als eigenständige Reederei mit dem Standort Hamburg zu erhalten.
Frenzel hatte noch im Januar vorgeschlagen, die Konzernzentrale in Hannover mit der Tochter Hapag-Lloyd zu verschmelzen, um die Schifffahrtssparte besser vor einer Übernahme zu schützen. Nun beugte er sich dem Druck von Aktionären. Frenzel sagte, die meisten Investoren hätten eine Abspaltung von Hapag-Lloyd für sinnvoll erachtet. «Man kann ein Unternehmen nicht auf Dauer gegen den Markt führen.» Er habe sich zwar eine andere Strategie vorgestellt, aber: «Der Konzern gehört nicht mir und nicht dem Vorstand, der Konzern gehört den Investoren.» Die TUI müsse wieder zur Ruhe kommen.
Nach der Trennung von Hapag-Lloyd werde die Verschuldung des Konzerns deutlich sinken - dadurch habe die TUI Spielraum für Zukäufe im Reisegeschäft.
Insgesamt schrieb der TUI-Konzern 2007 wieder schwarze Zahlen.
Unterm Strich lag das Konzernergebnis bei 236 Millionen Euro. Im Jahr zuvor war der Konzern vor allem wegen Wertabschreibungen in der Touristiksparte in die roten Zahlen gerutscht, das Konzernergebnis nach Steuern lag bei minus 843 Millionen Euro. 2008 sollen Umsatz und Ergebnis steigen.
Mehr: Im "THB Täglicher Hafenbericht".

