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Weiter Streit über Ems-Stau

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Freitag, 12. September 2008

Der Probestau an der Ems Mitte August bleibt auch nach einem neuen Messbericht der Behörden umstritten. Die Auswertung physikalisch-chemischer Messdaten hätte keine negativen Veränderungen für den Fluss gezeigt, teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mit.

Umweltschützer sprachen dagegen von einem Trick. Die Behörde habe die Messungen manipuliert. Damit würden Schäden am Grund des Flusses völlig verharmlost, hieß es bei der Umweltstiftung WWF in Hamburg.

Hintergrund des Probestaus sind geplante Schiffsüberführungen der Papenburger Meyer-Werft. Diese sieht Arbeitsplätze bedroht, wenn die Ems nicht auch im Sommer für Überführungen von Neubauten an die Nordsee aufgestaut wird. Messungen beim ersten Probestau sollten zeigen, ob sich der Sauerstoffgehalt des Flusses verändert, wenn er im Sommer oder im Herbst länger als zwölf Stunden aufgestaut ist.

Nach dem NLWKN-Bericht ist die Sauerstoffkonzentration während des Probestaus «eindeutig stabil» geblieben. Es habe auch keine besonderen «Sauerstoffzehrungen» gegeben. Den vollständigen Messbericht veröffentlichte der NLWKN im Internet.

Der WWF und die Bürgerinitiative «Rettet die Ems» warfen der Behörde verfälschende Messmethoden vor. Die Messpunkte seien nicht tief genug am Flussgrund gewesen, sondern hätten darüber gelegen. «Die Tiere kamen unter die Schlickschicht», sagte Beatrice Claus vom WWF. Zudem habe sich die Salzwassergrenze weiter flussaufwärts verschoben: «Süßwasserbereiche wurden versalzen.» Außerdem würden europäische Vogelschutz- und FFH-Gebiete überflutet. Die Probestaus sollten nach einer Art «Salamitaktik» dazu dienen, Umweltauflagen außer Kraft zu setzen, kritisierte der WWF.

Die Bürgerinitiative forderte ein Verbot des zweiten Probestaus. Zudem müssten Umfang und Ursache der rätselhaften Dioxin-Funde am Emsufer geklärt werden. Das Gift war in den vergangenen Wochen in Mähgras und in Schafslebern in den Kreisen Leer und Emsland nachgewiesen worden. Das Thema wird kommende Woche auch den Niedersächsischen Landtag beschäftigten.

Der erste Probestau hatte 37 Stunden gedauert. Vom 27. September an ist ein zweiter Test geplant. Parallel dazu wird ein Schiff der Meyer-Werft überführt. Dafür muss der Flusspegel um gut einen Meter höher als das normale Hochwasser steigen - von 1,6 Meter auf 2,7 Meter über Normalnull. Das Vorland der Deiche wird dann überspült. Dort war vor kurzem das giftige Dioxin entdeckt worden.