Auftragspolster schützt vor Finanzkrise
Werften brauchen Banken
Donnerstag, 23. Oktober 2008
Das gute Auftragspolster der Werften schützt nach Einschätzung der IG Metall den Schiffbau derzeit vor unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise. Die Werften seien allerdings auf solide Zwischenfinanzierungen durch die Banken angewiesen, sagte der Schiffbau-Experte der Gewerkschaft, Heino Bade, am Mittwoch der dpa. Die Banken dürften sich nicht aus der Verantwortung ziehen und den Werften die notwendigen Kredite versagen. Die Werften in Mecklenburg-Vorpommern sind bis 2010/2011 mit Aufträgen ausgelastet. Heute (23.10.) beginnt in Stralsund eine europäische Schiffbautagung zum wissensbasierten Schiffbau.
Der Auftragsbestand der Werften sei seit 2003 kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Beschäftigten stieg in Mecklenburg-Vorpommern laut einer aktuellen Schiffbau-Umfrage von rund 5000 im Jahr 2007 auf aktuell 5160 Mitarbeiter. Allerdings sei das Auftragspolster auf rund 70 Prozent des Vorjahresniveaus geschmolzen. Im kommenden Jahr müsse es wieder zu einem Anstieg in den Auftragsbüchern kommen, damit es wegen der mehrjährigen Abarbeitszeiten nicht zu Kurzarbeit in ersten Abteilungen komme, warnte Bade.
Ab heute beschäftigten sich rund 100 Schiffbauexperten und Vertreter von Werften auf einer Fachtagung in Stralsund mit neuen Produktionstechnologien im Schiffbau. Nach Expertenmeinung liegt die Konkurrenzfähigkeit des europäischen Schiffbaus vor allem in der Entwicklung und Nutzung «intelligenter» Technologien. Über die Produktionskosten allein könne sich der Schiffbau gegenüber der asiatischen Konkurrenz nicht behaupten, sagte Frank Roland vom Hamburger Center of Maritime Technologies (CMT) in der vergangenen Woche in Stralsund.
Im Mittelpunkt der englischsprachigen Tagung stehen die computergestützte Produktionsplanung von Schiffen und der Einsatz modernster Roboter- und Laserschweißtechnik. Die Konferenz soll eine Plattform für den Know-how-Transfer zwischen Industrie und Wissenschaft bieten. Wie Martin-Christoph Wanner vom Lehrstuhl Fertigungstechnik an der Universität Rostock sagte, gibt es durchaus noch Defizite in der Zusammenarbeit. Das liege unter anderem an der veralteten Ausstattung in der Fakultät Maschinenbau/Schiffstechnik. Die Forscher aus Rostock entwickelten eigenen Angaben zufolge für die Warnowwerft ein neuartiges computergestütztes System zum präzisen Roboterschweißen von Schiffsstahl.Nach Angaben von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) stehen für die Verbundforschung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zwischen 2007 und 2013 rund 155 Millionen Euro an Fördermitteln bereit.

