Zwei „gesunde Ostseehäfen“ erforderlich

Schleswig-Holsteins Minis terpräsident Torsten Albig (SPD) widerspricht entschieden Kritikern aus der Lübecker Hafenwirtschaft, die der Landesregierung eine einseitige Förderungspolitik zugunsten des Kieler Hafens vorwerfen.

Das stellte Albig jetzt auf dem traditionellen Schifffahrtsessen des Nautischen Vereins zu Lübeck (NV) vor rund 260 Gästen klar, die der NV-Vorsitzende Kapitän Jürgen Schlichting in den Räumlichkeiten der historischen Schiffergesellschaft begrüßte . Die Traditionsveranstaltung wurde zum 146. Mal ausgerichtet.

„Wenn Reedereien ihre Frachtrouten in andere Häfen verlagern, so sind das unternehmerische Entscheidungen, auf die das Land keinen Einfluss nimmt. Wirtschaft funktioniert leider nicht immer schmerzfrei“, stellte Albig klar. Seit dem Jahr 2000 seien gut 40 Millionen Euro Fördergelder in verschiedene Standorte des Lübecker Hafens investiert worden. Seitdem seien keine weiteren Förderanträge eingegangen. Da im Kieler Hafen im selben Zeitraum etwa gleich viel gefördert worden sei, könne er also „keine Benachteiligung erkennen“.

Was die Förderpolitik ans Ganzes betreffe, sei die Landesregierung nicht zuletzt vor dem Hintergrund knapper Finanzen in höchstem Maße daran interessiert, ausschließlich Projekte mit einem nachgewiesenen hohen Nutzwert zu bezuschussen. Fehl- oder Doppelförderungen müssten in jedem Fall vermieden werden, „damit nicht Doppelstrukturen in Kiel und Lübeck entstehen, die dann am Ende in keinem der beiden Häfen ausgelastet sind“, erklärte Albig. Und: „Schleswig-Holstein braucht zwei gesunde, große Ostseehäfen“. Als „eine gute Idee seines Wirtschaftsministers“ bezeichnete Albig die aktuell in der Ausarbeitung befindliche Studie über mögliche Kooperationsfelder auf der einen und Konkurrenzsituationen zwischen Kiel und Lübeck auf der anderen Seite.

Albig hob in seinem Vortrag auf die verschiedenen Facetten der maritimen Wirtschaft ab. Dazu gehört für ihn auch die Werft-Branche, in der heute noch gut 5000 Beschäftigte tätig sind. Dabei spüren die Werften trotz ihrer Ausrichtung auf den Spezialschiffbau, einschließlich Marineeinheiten, die Folgen des globalen Kapazitätsüberhangs. Die Kieler Landesregierung begleite die Werftbetriebe unter anderem über ihr Förderprogramm „Innovativer Schiffbau“ und sichere damit wettbewerbsfähige Arbeitsplätze in den Werften und auch bei den Zulieferern. Um die Werften durch die schwierige Phase zu bringen, helfe man auch mit Landesbürgschaften, wobei man als kleines Land bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gehe. Albig weiter: „Da es nicht sein kann, dass unsere spezialisierten und guten Werften einen lohnenden Auftrag nicht annehmen können, weil sie keine Finanzierung bekommen, wünsche ich mir sehr, dass der Bund uns bei diesen Garantien unterstützt.“

NV-Vorsitzender Schlichting streifte in seiner Rede eine Vielzahl aktueller Themen der maritimen Branche. Er sorge sich um den langfristigen Fortbestand einer Schifffahrt unter deutscher Flagge, sagte Schlichting. EHA/jeme

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