Neuer Negativrekord bei Aufliegern

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die weltweite wirtschaftliche Situation in seiner aktuellen Prognose als Gemengelage zahlreicher Risiken.

Der Aufschwung setze sich zwar fort, allerdings immer schleppender und mit steigender Fragilität, resümiert Hansa Treuhand im Quartalsbericht für die Handelsschifffahrt, den das Unternehmen jetzt veröffentlicht hat. Neben ökonomischen Risiken lasten auf der Weltwirtschaft immer mehr politische und ökologische Probleme wie Angst vor Terrorismus, Gefahr von wachsendem Nationalismus, Protektionismus und Klimawandel. So sei es nicht verwunderlich, dass der IWF zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognosen für 2016 und 2017 nach unten korrigiert hat. Die gedämpften Aussichten wirken sich auch auf die Handels - schifffahrt aus.

Containerfrachter

In der Containerschifffahrt ist kaum Land in Sicht, beschreibt Hansa Treuhand die Entwicklung des ersten Quartals. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2015, als die Charterraten um 30 bis 70 Prozent zurückgegangen waren, fielen die Verluste im bisherigen Jahresverlauf allerdings geringer aus und liegen in fast allen Klassen in einstelliger Prozenthöhe. Diese Schadensbegrenzung ist aus Sicht von Hansa Treuhand jedoch nur bedingt erfreulich, bedeutet es doch in erster Linie, dass sich die Ergebnisse noch weiter von einem auskömmlichen Niveau entfernt haben. Gedeckt seien bestenfalls noch die Tages-Schiffsbetriebskosten.

Wie häufig in schwachen Märkten haben sich die Charterraten der einzelnen Schiffsklassen einander stark angenähert. Derzeit sind Schiffe mit einer Kapazität von 5500 TEU sogar günstiger zu haben als ein 1700 TEU-Schiff. Je größer das Schiff desto prekärer scheint die finanzielle Situation, stellt Hansa Treuhand fest. Die Frachtraten stehen angesichts der Überkapazitäten und des gedämpften Handels ebenfalls nach wie vor stark unter Druck und haben sich im ersten Quartal 2016 auf den Routen von Asien nach Europa und in die USA durchschnittlich um gut 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmittel verschlechtert. Mitte März 2016 kehrten die Raten auf den meisten Strecken zu den historischen Tiefstständen aus dem vierten Quartal 2015 zurück.

Negativrekord in der Aufliegerstatistik: Mitte März 2016 warteten 352 Schiffe mit rund 1,57 Millionen TEU auf Beschäftigung. Das entspricht 7,8 Prozent der Flotte. Als Reaktion auf die schwache Nachfrage hatten die Linienreederei-Allianzen bereits seit Mitte 2015 eine Reihe von Diensten eingestellt. Schiffe, die von den Strecken Asien Richtung Europa, Lateinamerika und Westafrika abgezogen wurden, sind nun auf anderen Routen unterwegs, was wiederum die dort agierenden Schiffe in die Bredouille bringt. Mit fast 100 Schiffen war der Anstieg im Segment der Einheiten mit 3000 bis 5100 TEU im Vergleich zum Jahresende besonders hoch. Bis Ende April hat sich die Aufliegerkapazität wieder auf 318 Schiffe mit 1,4 Millionen TEU verringert – immer noch ein alarmierendes Level, so Hansa Treuhand unter Verweis auf Alphaliner. Lediglich für kleine Schiffe mit weniger als 2000 TEU habe sich die Situation leicht verbessert.

Nachdem die Anzahl der verschrotteten Schiffe 2015 noch relativ gering ausfiel, war im ersten Quartal 2016 ein deutliches Anziehen der Verschrottungsaktivitäten zu verzeichnen – trotz verbesserter, aber immer noch verhältnismäßig niedriger Schrottpreise. Bis Ende April haben bereits 86 Prozent der im gesamten Vorjahr verschrotteten TEU-Kapazitäten den Markt verlassen. Wurden in den vergangenen Jahren in erster Linie kleine und ältere Einheiten aus dem Markt genommen, trifft es nun auch zunehmend größere und jüngere Schiffe, so die Einschätzung.

Bulkcarrier

Der Jahresauftakt hätte für den Bulkermarkt kaum schlechter laufen können. Die Raten der Capesize-Bulker fielen über das erste Quartal um rund zwei Drittel. Die Abschläge bei den Panamax- und Supramax-Einheiten fielen mit 20 und 30 Prozent „schmerzhaft, aber nicht ganz so massiv aus“, bewertet das Emissionshaus die Lage. Bei den Zeitchartern war der Rückgang etwas geringer. Im Quartalsvergleich verloren die Zwölf-Monats-Chartern aller Klassen rund ein Viertel. Insgesamt lagen die Verdienste im bisherigen Jahresverlauf deutlich unter dem Vorjahresmittel. Der Ausblick: Die Marktsituation in der Bulkschifffahrt bleibt vor dem Hintergrund der konjunkturellen Verlangsamung und des strukturellen Wandels der chinesischen Wirtschaft weiterhin sehr schwierig.

Tanker

Nach dem fulminanten vierten Quartal 2015 fiel der Jahresanfang im Tankermarkt etwas nüchterner aus. Im direkten Quartalsvergleich verloren die einzelnen Klassen im Spotmarkt durchschnittlich rund ein Viertel. Das klingt erheblich, liegt aber nicht zuletzt an der hohen Bezugsgröße und reicht immer noch für recht ordentliche Ergebnisse, befindet Hansa Treuhand. Die negative Tendenz zeige sich abgeschwächt auch bei den Zwölf-Monats-Chartern, die im ersten Quartal um durchschnittlich zehn Prozent niedriger lagen als im Schlussquartal 2015. Insgesamt befinden sich die Werte im bisherigen Jahresverlauf im Durchschnitt unter dem Mittel des Vorjahres.

Die Nachfrage nach Tankertransporten steigt 2016 nach aktuellen Prognosen um 3,1 Prozent. Dem steht ein erwartetes Kapazitätswachstums von 5,3 Prozent gegenüber – das liegt deutlich über den Werten der vergangenen drei Jahre und geht hauptsächlich auf das Konto des VLCC-Segments. Insgesamt stehen bezogen auf die Tragfähigkeit betrachtet noch rund 18 Prozent der Flotte im Tanker-Orderbuch. Die Aussichten für 2016 sieht Hansa Treuhand weiterhin „verhalten positiv“. Angesichts des prognostizierten Verhältnisses von Flotten- und Nachfragewachstum könne allerdings der Druck auf die Charter raten steigen. fab

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben