Interesse an Kreuzfahrten ungebrochen

Bei Deutschen sehr beliebt: Nordland-Reisen, hier der norwegische Hafen Ålesund , Fotos: Arndt

Ungerer
Die globale Kreuzfahrtindustrie erwartet mit Ungeduld die Auslieferung neuer Schiffskapazitäten.
Das wurde am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der Studie „Der Hochsee-Kreuzfahrtmarkt Deutschland 2015“ deutlich. Die Untersuchung hatten CLIA Deutschland als deutsche Niederlassung des internationalen Kreuzfahrtverbandes sowie der Deutsche ReiseVerband (DRV) in Auftrag gegeben.
Im zurückliegenden Jahr reisten insgesamt 1,81 Millionen deutsche Gäste mit einem Passagierschiff. Das entsprach einem Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber 2014 (1,77 Millionen Gäste). Zur Einordnung: Im Jahr 2005 nutzten gerade einmal 639.000 Deutsche die Möglichkeit, die schönsten Wochen des Jahres an Bord eines Luxusliners zu verbringen. Zufrieden mit der Entwicklung ist Michael Ungerer, Chairman von CLIA Deutschland: „Die Nachfrage deutscher Urlauber nach Hochsee-Kreuzfahrten steigt weiter. Für uns ist das eine klare Bestätigung, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben.“ Doch auch das gehört zu den Fakten: „Die Nachfrage war sogar noch größer, als die Reedereien mit vorhandenen Kapazitäten befriedigen konnten“, ergänzte Ungerer. Daher sei er „zuversichtlich, dass die zusätzlichen Kapazitäten 2016 mit einer großen Vielfalt von innovativen Angeboten wieder für einen deutlichen Wachstumsschub bei den Passagierzahlen sorgen werden“.
Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland, unterfütterte diese Aussage: „Kreuzfahrten bleiben ein kapazitätsgetriebener Markt. Aufgrund des erwarteten Flottenzuwachses werden wir in diesem Jahr die Zwei-Millionen-Marke bei den Passagieren überschreiten können.“ 2015 waren die Schiffe auf dem Markt „hoch ausgelastet“, so Grammerstorf, das heißt „zwischen 95 und 105 Prozent“. Auf dem deutschen Markt wurden Ende 2015 insgesamt 296 Schiffe mit zusammen 456.185 Betten angeboten. Grammers torf berichtete, dass im laufenden Jahr weltweit zehn neue Schiffe mit 27.600 zusätzlichen Betten in Dienst gestellt werden. Davon würden zwei Cruiser mit insgesamt 5750 Betten für den deutschsprachigen Markt gebaut.
Ein zentraler Erfolgsfaktor bei Seereisen ist für Grammerstorf auch „das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis von Kreuzfahrten“. Der Cruise-Experte weiter: „Bei kaum einer anderen Urlaubsform erhält man für sein Geld eine so große Vielfalt an Routen, Destinationen und Angeboten an Bord.“
Auch aus Sicht der deutschen Reisebürobranche sind Hochseereisen eine Erfolgsgeschichte. Sie seien in den zurückliegenden 20 Jahren „zu einem elementaren Bestandteil der Touristik avanciert“, und zwar nicht nur in Deutschland, erklärte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Trotz Internet und auch Direktvermarktung würden in Deutschland weiterhin noch 80 Prozent aller Seereisen über ein Reisebüro gebucht. Fiebig wies darauf hin, dass die Kreuzfahrtindustrie mittlerweile in vielen Ländern der Welt einen bedeutenden Beitrag zum allgemeinen Wirtschaftswachstum leiste. In Deutschland beispielsweise erwirtschaftete der Hochseekreuzfahrtmarkt 2015 einen Reiseumsatz in Höhe von insgesamt 2,87 Milliarden Euro – nach 2,71 Milliarden Euro im Vorjahr (plus 5,7 Prozent).
Die Autoren der Studie nahmen – wie in den Vorjahren – auch die bevorzugten Seereise-Regionen der Deutschen unter die Lupe. Danach standen im Berichtsjahr bei drei von vier Deutschen europäische Fahrtgebiete (76,2 Prozent) an der Spitze. 2015 machte ein Drittel der deutschen Passagiere eine Kreuzfahrt durch Nordeuropa, zu den Britischen Inseln sowie durch die Ostsee (33,6 Prozent).
Die Mittelmeerregion war mit 31,2 Prozent auch 2015 eines der beliebtesten Reiseziele der deutschen Kreuzfahrttouristen. Auch das fanden die Cruise-Experten her aus: „Bei den Reiserouten geht der Trend zu mehr Vielfalt.“ EHA
