Jährlich 100.000 Boxen weniger per Truck

Es sind Bilder, die es eigentlich nicht geben soll: lange Lkw-Schlangen vor den Toren der Leercontainerterminals, ob in Hamburg oder in einem anderen Seehafen.

Genau diesen zeit- und umweltschädlichen Massenandrang von Trucks, Trailern und Boxen und wollen die Partner des Projekts „Virtuelles Depot“ im größten deutschen Universalhafen künftig vermeiden. „Wir streben auf Jahresbasis die Einsparung von rund 100.000 Leercontainern auf den Straßen unseres Hafens an“, präzisere Thomas Wolnewitsch, Geschäftsführer der Transcargo GmbH, am Montag in der Hansestadt das Ziel. Wolnewitsch wirkt in diesem Projekt auch und vor allem als Vorsitzender des 2001 gegründeten Fachverbandes der Containerpackbetriebe mit, dem aktuell in Hamburg 23 mittelständische Unternehmen angehören.

Den entscheidenden Anstoß zu diesem „virtuellen Depot“ gab die Hamburg Port Authority (HPA), die den übergeordneten standortpolitischen Auftrag, den Verkehr im Hafengebiet generell umweltfreundlicher zu machen, umzusetzen hat. „Wobei wir uns in diesem konkreten Fall nur als ‚Moderator‘ in einem Prozess verstehen“, stellte HPA-Chef Jens Meier klar. Die Hafenverwaltung lässt sich das Projekt rund 70.000 Euro kosten. „Kleines Geld, wenn man auf der anderen Seite sieht, welcher Nutzen gestiftet wird“, ergänzte Meier. Für Wirtschaftssenator Frank Horch bewegt sich das konkrete Vorhaben, dessen Vorarbeiten 2015 begannen und für das die offizielle Pilot- und damit Praxisphase am 8. März dieses Jahres begann, noch im Geiste der Welthafenkonferenz, die Anfang Juni 2015 durch Hamburg ausgerichtet wurde.

Das IT-Know-how steuert IBM bei. „Wir sehen darin ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell“, bestätigte Christian Schultze-Wolters, Geschäftsbereichsleiter Nord/Ost bei IBM in Berlin. Bis Juni läuft die Pilotphase, dann erfolgt die kritische Begutachtung, und danach soll über eine öffentliche Ausschreibung der Betreiber für diese Anwendung ermittelt werden. Und so funktioniert das „Virtuelle Depot“ in groben Zügen: Über die cloud-basierte Plattform werden die Lkw-Verkehre bei den Packbetrieben „synchronisiert“. Das heißt, mittels des IT-Systems findet nach Freigabe des Containers – hier geht es unter anderem um den einwandfreien technischen Zustand der Box – durch die beteiligte Reederei ein interner Austausch zwischen den Packbetrieben statt. „Das cloud-basierte System ermöglicht Packbetrieben, verfügbare Leercontainer anderer kooperierender Packbetriebe, die an ein Depot zurückgeliefert werden sollen, zu finden und für einen direkten Tausch zu reservieren“, so Schultze-Wolters.

Zu den Kernaufgaben bis Juni gehört auch, die Vorteile dieser Anwendung unter den Transportkettenbeteiligten noch bekannter zu machen. So wirken bereits elf Containerreedereien mit. Gespräche laufen zudem mit der Speditionsbranche und den klassischen Truckern. Oliver Weisshuhn, Projektentwickler bei IBM: „Wir wollen immer mehr Volumen für diese Anwendungen dazugewinnen.“ EHA

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