Die Zahl der Werftarbeiter steigt wieder

Die Zahl der Mitarbeiter im Schiffbau steigt wieder. Eine ganze Reihe von Auftragseingängen sorgt für Beschäftigung.

Nach Jahren des Abbaus hat sich die Zahl der Mitarbeiter auf deutschen Werften in den vergangenen fünf Jahren wieder stabilisiert. Besonders der Passagierschiffbau und der Marinebereich sorgen für ein Rekord auftragsvolumen. „Wir werden auch in diesem Jahr wieder wachsen“, kündigt Andreas Burmester, Geschäftsführer von ThyssenKrupp Marine Systems, an. So wie der Kieler Werftkonzern decken sich auch andere Werften wieder mit Fachkräften ein. Bis zu 300 Mitarbeiter wird die Werft am Standort Kiel bis zum Jahresende neu einstellen.

Mit 90.000 Beschäftigten war der Schiffbau 2015 ein zen traler Faktor im industriellen Bereich in Norddeutschland. 15.600 Mitarbeiter waren laut der Studie der IG Metall Ende 2015 direkt bei den Werften angestellt. Das sind fast 400 mehr als 2014. Getragen werden die Hoffnungen längst nicht mehr durch die Breite des Handelsschiffbaus. Der klassische Schiffbau von Containerschiffen, Tankern oder Küstenfrachtern für die Hochseefahrt ist in Deutschland nur noch auf zwei der 40 Werften zu finden. Immer größere Bedeutung bekommen die Bereiche Spezialschiffbau und Schiffsreparatur. Die Gewerkschaften kritisieren die hohe Zahl von Werkverträgen und Leiharbeitern bei den Unternehmen. So gibt es laut IG Metall Werften, bei denen die Leih arbeitsquote fast 50 Prozent erreicht hat. Die gute Auftragslage mit den langfristigen Auslastungszahlen sei die Rahmenbedingung, die die Werften für mehr unbefristete Anstellungen nutzen sollen, so die Schifffahrtsanalayse der IG Metall.

Ein nahezu historisches Tief hat 2015 der Auftragseingang der deutschen Werften erreicht. Mit gerade 25 Neubauten wurden so wenige Aufträge hereingenommen wie seit dem Ende des Verbots für den Schiffbau deutscher Werften 1949 nicht mehr. Zum Vergleich: 2005 wurden durch deutsche Werften noch rund 160 Bauaufträge neu unter Vertrag genommen.

Die erfolgreichsten Neubauwerften sind derzeit die ThyssenKrupp Marine Systems (Kiel) und die Meyer Werft (Papenburg). Beide Werften haben zusammen ein Auftragsvolumen von rund 15 Milliarden Euro in verschiedenen Projekten unter Vertrag. Aber auch die Lürssen-Gruppe hat mit einem Mix aus Marineschiffbau und Yachten deutliche Zuwächse aufzuweisen.

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen wurde bislang in Deutschland durch die Meyer-Gruppe mit den Werftstandorten in Papenburg, Rostock und Turku bestimmt. Diese Dominanz wird jetzt durch einen neuen Wettbewerber ins Wanken geraten. Die Genting Group aus Malaysia hat durch die Übernahme der Lloyd Werft in Bremerhaven im September 2015 und die Übernahme der drei Standorte der Nordic Yards in Mecklenburg-Vorpommern alle Voraussetzungen für den Aufbau einer Produktion von Kreuzfahrtschiffen geschaffen. Die Fertigung der Neubauten soll im Serienbau in Mecklenburg-Vorpommern erfolgen. Die Fertigungskapazitäten in Wismar, Warnemünde und Stralsund wurden bereits optimiert und haben in der Vergangenheit gezeigt, dass der Neubau großer Passagierschiffe dort möglich ist. Die Neubauten „Norwegian Sun“ (NCL) sowie „AIDA vita“ und „AIDAaura“ entstanden in der Schiffbauhalle in Wismar.

Durch die Verbindung der Lloyd Werft mit der Nordic-Gruppe wird neben Meyer ein zweiter Schiffbaukonzern mit ziviler Ausrichtung an Nord- und Ostseeküste entstehen. Ein Schritt, der von den Gewerkschaften nicht kritisiert wird. Ein Werftkonzern Genting Germany hat an den Standorten zusammen rund 1200 Mitarbeiter. Die Meyer Werft beschäftigt 3300 Mitarbeiter an ihren drei Standor ten.

Vorbild dafür ist die Werftstruktur im Marineschiffbau, wo sich die beiden Konzerne TKMS (Kiel) und Lürssen (Bremen) den Markt teilen. Die im Familienbesitz befindliche Lürssen Werft hat mit den Standorten in Bremen, Lemwerder, Wilhelmshaven, Schacht-Audorf und Wolgast inzwischen auch über 1700 Mitarbeiter.

Die Nummer eins bleibt der Werftkonzern ThyssenKrupp Marine Systems mit 3700 Mitarbeitern in Kiel, Hamburg und Emden. Der Hauptsitz ist Kiel, wo 2600 Mitarbeiter im U-Boot-Bau aktiv sind. Als dritte Kraft im Marineschiffbau eta bliert sich die Rendsburger Nobiskrug-Gruppe mit der Werft German Naval Yards. Rund 1000 Mitarbeiter sollen dort in Zukunft Marineschiffe bauen. Lürssen, TKMS und Nobiskrug sind auch die Wettbewerber in dem derzeit größten deutschen Marineauftrag, dem Bau des Mehrzweckkampfschiffes MKS 180.

Da die Finanzierung von zivilen Schiffsneubauten für die Frachtfahrt in Deutschland auch auf absehbare Zeit nicht wieder zu der bis 2008 gekannten Zuverlässigkeit zurückkehren wird, fordern besonders die Verbände der Schiffbauer und Schiffbauzulieferer Unterstützung durch die Politik. Derzeit ist die Finanzierung eines Handelsschiffes durch deutsche Geldinstitute kaum noch realisierbar. Einzig die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Ipex) ist wieder ein verlässlicher Partner der deutschen Werften bei der Absicherung der finanziellen Risiken eines Schiffsneubaus.

Die Bundesländer fördern dabei die Werften nach Kräften. So stellt in Schleswig-Holstein beispielsweise das Wirtschaftsministerium auch wieder Landesbürgschaften für klassische Handelsschiffe bereit. Die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft könnte durch eine solche Absicherung beim Bau von zwei RoRo-Fähren für Siem Shipping in Norwegen in diesem Jahr wieder aus der Gefahrenzone der Unterbeschäftigung herauskommen.

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