„Mensch bleibt wichtigste Schnittstelle“

Elektronik hat auf den Schiffsbrücken längst Einzug gehalten – aber es könnte noch mehr werden, Foto: SAM
Digitalisierung und Effizienzsteigung waren die beherrschenden Themen beim 5. Hamburger Schifffahrtsdialog – verbunden mit der Erkenntnis: Beides hat gewisse Grenzen.
„Der digitale Wandel in der Schifffahrt ist nicht aufzuhalten.“ Harald Schlotfeldt, Technischer Direktor der Reederei F. Laeisz, brachte es in der Diskussionsrunde auf den Punkt. In Zeiten immer leistungsfähigerer Datennetze und von „Big Data“ komme kein Unternehmen in der Schifffahrt um die Digitalisierung von Prozessen und Arbeitsstätten herum. Schlotfeldt räumte ein, dass die Kosten für Hard- und Software zwar hoch seien, „aber der daraus resultierende Mehrwert ist es auch“.
VDR-Präsident Alfred Hartmann sieht ebenfalls neue Chancen: „Schiffsbetrieb und Management werden smart und noch effizienter.“ Zweifel kamen dagegen vom Geschäftsführer des Bremer Schiffsmeldedienstes, Kapitän Peter Langbein: „An Bord eines Schiffes haben wir die ganze Bandbreite von High- bis Low-Technik. Es wird immer Situationen geben, die man nicht binär mit ‚0‘ oder ‚1‘ beantworten kann. Da braucht es den Menschen, der eben auch ‚0,38‘ sagen kann. Der Mensch wird die wichtigste Schnittstelle bleiben.“ Zuvor hatte der Leiter des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen, Prof. Dr.-Ing. Carlos Jahn, vier Projektbeispiele vorgestellt, bei denen das Fraunhofer-Institut zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen an der Digitalisierung der Prozesse im Schiffsbetrieb arbeitet. Unter Rückgriff auf eine Studie des Branchenverbandes Bitkom sagte er, dass 88 Prozent der deutschen Unternehmen den digitalen Wandel als Chance begreifen. „Vermutlich sieht es in der maritimen Branche ähnlich aus“, so Jahn weiter.
Das Green Shipping als Möglichkeit zur Effizienzsteigerung im Schiffsbetrieb war der zweite Panelschwerpunkt beim Schifffahrtsdialog in der Handelskammer. Zwar werde der langsam laufende Dieselmotor die bestimmende Antriebsart in der Schifffahrt bleiben, erläuterte Dr. Hans J. Gätjens von Bureau Veritas. „Aber es werden härtere Gesetzgebungen mit strengeren Umweltauflagen kommen“. Wann ein Reeder auf LNG oder andere emissionsarme Antriebsarten umstelle, sei eine sehr individuelle Entscheidung. „Benchmark für LNG werden die Kosten sein, die ein Eigner für Schweröl und die notwendige technische Nachbehandlung aufwenden muss. Wenn die hoch sind, wird sich LNG rechnen“, sagte Kapitän Rörd Braren, Inhaber der gleichnamigen Reederei.
Effizienzsteigerung durch technische Innovationen und Digitalisierung habe aber auch Grenzen, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. „Reedereien brauchen dafür auch auskömmliche Raten.“ pk