DLR forscht für saubere Schifffahrt

Auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums Geesthacht soll ein neues Institut des DLR zurErforschung maritimer Energiesysteme angesiedelt werden, Foto: Timo Jann

„Das HZG macht schon heute viel in Sachen Wasserstoff, da ist es reizvoll, die Verbindung zu anderen Antriebsstoffen herzustellen“Norbert BrackmannMaritimer Koordinator, Foto: Timo Jann
In einem neuen Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollen künftig maritime Energiesysteme für die Schifffahrt entwickelt werden – am Elbufer bei Geesthacht. Der entsprechende Beschluss für die Finanzierung des Instituts in Höhe von 15 Millionen Euro jährlich durch den Bund wurde jetzt im Haushaltsausschuss des Bundestags in Berlin getroffen.
„Das Institut soll sich mit der Entwicklung von energieeffizienten und emissionsarmen Schiffsantrieben jeder Größenordnung beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Batterie-Systemen“, erklärte Norbert Brackmann, der Maritime Koordinator der Bundesregierung, im Gespräch mit dem THB. Geesthacht liegt im Wahlkreis des CDU-Politikers aus Lauenburg. Er hatte sich für das Projekt innerhalb des Bundeswirtschaftsministeriums stark gemacht.
„Die CO2-Emissionen des Schiffsverkehrs sind mit knapp drei Prozent der weltweiten Emissionen vergleichbar mit den Emissionen der Luftfahrt. Die Dekarbonisierung der Schifffahrt wird inzwischen auch in der Öffentlichkeit zunehmend als Herausforderung wahrgenommen“, so Brackmann. Da aktuell etwa 90 Prozent des Welthandels auf dem Seeweg erfolgen und dieses Volumen durch die fortschreitende Globalisierung weiter steigt, gilt die CO2-Reduktion des Schiffsverkehrs als bedeutende weltweite Herausforderung. Auch vor dem Hintergrund des Booms im Kreuzfahrttourismus weltweit. Brackmann: „Das DLR hat bereits verschiedene hybride Brennstoffzellensysteme entwickelt, unter anderem auf dem Kreuzfahrtschiff ‚Aidanova‘. Mit dem neuen zu gründenden Institut sollen die Kompetenzen weiter ausgebaut werden.“
Als Standort ist an eine Fläche auf dem Gelände des Helmholtz-Forschungszentrums Geesthacht (HZG) an der Max-Planck-Straße gedacht. Brackmann: „Da würde es absolut Sinn machen, man könnte dort mit beiden Einrichtungen einen richtigen Campus realisieren.“ Es ist das erste Institut des DLR in Schleswig-Holstein. „Das HZG macht schon heute viel in Sachen Wasserstofftechnologie, da ist es besonders reizvoll, die Verbindung zu anderen Antriebsstoffen herzustellen“, erklärte der Maritime Koordinator. Grund für die neuen Energiesysteme im maritimen Bereich ist die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen vor dem Hintergrund neuer und höherer Klimaschutzvorgaben, die eine immer wichtigere Rolle spielen. Aktuell könne man laut Brackmann von 150 Arbeitsplätzen ausgehen, davon 90 Wissenschaftler.
Wohl schon Mitte 2020 soll der Aufbau des neuen DLR-Instituts für maritime Energiesysteme beginnen. Brackmann: „Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des neuen DLR-Instituts wird aber nicht bei den Antrieben enden. Es sollen Konzepte für große Energiespeicher an Bord und entsprechende Versorgungsinfrastrukturen an Land für alternative Treibstoffe erarbeitet werden. Das neue Institut soll die gesamte Kette der Energieversorgung von Schiffen von der Versorgung mit Brennstoffen über deren Speicherung bis zur Bereitstellung von Strom, Wärme und Kälte an Bord als integrierte Systemarchitektur bearbeiten.“ Für die nötigen Entwicklungsarbeiten ist zum einen der Aufbau eines multifunktionalen Prüfstands geplant, mit dem die Energiesysteme an Land unter realistischen Bedingungen erprobt werden können, zum anderen soll für die Speicherung und Aufbereitung von Brennstoffen auf Schiffen und die Verbindung zur Versorgungsinfrastruktur im Hafen eine entsprechende Testinfrastruktur geschaffen werden.
Das geplante neue Institut soll insbesondere zu Unternehmen aus den Bereichen Schiffbau, Werften und Zulieferer, Reedereien, Häfen und Herstellern von Brennstoffzellen eine enge Kooperation aufbauen und unterhalten. „Aus den Kooperationen sollen gemeinsame Projekte folgen und perspektivisch auch Existenzgründungen hervorgehen“, hofft Brackmann auf Firmenansiedlungen. tja