Hapag-Lloyd: Woche der Entscheidung

Für Hapag-Lloyd und die Stadt Hamburg steht beim geplanten Börsengang viel auf dem Spiel, Foto: Hasenpusch
Die internationale Schifffahrt blickt gespannt auf die Entscheidung bei Hapag-Lloyd. Gelingt der weltweiten Nummer vier der Linienreeder der Börsengang? Oder endet der dritte IPO-Anlauf der Hamburger im Desaster? Für die Reederei, aber auch für die Stadt Hamburg stehen Millionensummen auf dem Spiel.
Am Dienstag endet die verlängerte Zeichnungsfrist. Fest steht: Gegenüber den ursprünglichen Plänen muss Hapag-Lloyd in mehrfacher Hinsicht deutliche Abstriche machen. Das betrifft in erster Linie die Preisspanne. Als die Reederei Mitte Oktober ihren Wertpapierprospekt veröffentlichte, hatte die Reederei mit ihren Aktionären und den Banken eine Spanne von 23 bis 29 Euro pro Aktie festgelegt. Spätestens mit der Gewinnwarnung von Maersk wenige Tage vor Ablauf der ursprünglichen Angebotsfrist zeichnete sich ab, dass der Angebotspreis am unteren Ende der Spanne liegen würde.
Investoren wurden nervös, Finanzkreisen zufolge gab es reihenweise Stornos für bereits georderte Hapag-Lloyd-Papiere – das 14-tägige Widerrufsrecht machte das möglich. Der Börsenaspirant musste reagieren. Zunächst wurde die Zeichnungsfrist verlängert, ohne gleichzeitig einen neuen Termin für den geplanten Handelsstart zu nennen. Dann kam die Preissenkung: Hapag-Lloyd teilte am Freitag mit, die Spanne auf 20 bis 22 Euro zu senken. Selbst den untersten Wert der vorherigen Bandbreite mochte offenbar niemand mehr zahlen. Einzige Alternative wäre gewesen, den Börsengang abzusagen. Dann allerdings hätte sich Hapag-Lloyd von seinen IPO-Plänen endgültig verabschieden können und das für die Modernisierung der Flotte so dringend benötigte Kapital auf anderen Wegen beschaffen müssen.
Hapag-Lloyd begründet den Order-Rabatt mit der „Volatilität an den Kapitalmärken“. Um dennoch den zuvor bereits reduzierten Planwert des Bruttoverkaufserlöses in Höhe von 300 Millionen Dollar zu erreichen, wurde die Anzahl der Aktien aus der Kapitalerhöhung auf bis zu 13,23 Millionen Stück erhöht. Hinzu kommen bis zu 1,98 Millionen Aktien aus dem Bestand von Anteilseigner TUI. Eine Platzierungsoption für weitere TUI-Aktien wurde gestrichen. Das angepasste Angebot besteht nunmehr aus insgesamt bis zu 15,21 Millionen Aktien. Das Mitte Oktober veröffentlichte Angebot sah insgesamt bis zu 15,7 Millionen Aktien vor, darunter 11,5 Millionen aus einer Kapitalerhöhung, bis zu 2,3 Millionen aus dem Bestand von TUI und optional weitere bis zu 1,9 Millionen von TUI.
Die Ankeraktionäre Kühne und Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) beteiligen sich weiterhin an der Kapitalerhöhung, indem sie jeweils Aktien im Wert von 30 Millionen Dollar zeichnen werden. Das Gesamtangebotsvolumen inklusive der für Hapag-Lloyd vorgesehenen Erlöse aus der Kapitalerhöhung und der möglichen Mehrzuteilungsoption beträgt bis zu 345 Millionen Dollar – umgerechnet 304 Millionen Euro. Innerhalb der Preisspanne würde sich ein Streubesitz von bis zu 18 Prozent ergeben, inklusive bestehender Hapag-Lloyd-Aktionäre mit einer Beteiligung von weniger als fünf Prozent.
Kommt das Angebot morgen zu einem erfolgreichen Abschluss, sollen die Hapag-Lloyd-Papiere voraussichtlich ab kommendem Freitag im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und im regulierten Markt der Hamburger Wertpapierbörse gehandelt werden – exakt eine Woche später als zunächst geplant. So waren die Vorbereitungen für vergangenen Freitag möglicherweise nicht vergebens.
Unabhängig davon, wie der dritte Börsenanlauf von Hapag-Lloyd nach gescheiterten Versuchen in 2004 und 2011 ausgeht: Die Stadt Hamburg wird als Anteilseigner der Reederei voraussichtlich einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben müssen. Denn selbst die mittlerweile kassierte Preisspanne von 23 bis 29 Euro lag deutlich unter der Summe, die Hamburg einst für die Übernahme von Anteilen aufbringen musste. Ein Preis am unteren Ende der dieser Spanne hätte einen Abschreibungsbedarf von rund einer halben Milliarde Euro bedeuten können. fab

