NMK: Reeder suchen neue Kapitalquellen

Die Schiffsfinanzierung erlebt einen Wandel. Deutsche Banken agieren im Neugeschäft sehr selektiv, weil sie zunächst ihre Altlasten bewältigen müssen. Deshalb gehen die Reeder neue Wege, um Kapital zur Modernisierung ihrer Flotten zu erhalten. Die großen Häuser machen sich dabei zunehmend fit für den Kapitalmarkt.

Ein Weg ist der Gang an die Börse. Hapag-Lloyd peilt als ersten Handelstag für diesen Schritt den 30. Oktober an. Zwar ist die Hamburger Reederei erst in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Zudem bestehen an den Börsen Unsicherheiten wegen der für die Branche so wichtigen wirtschaftlichen Entwicklung in China. Doch der Zusammenschluss mit der chilenischen Reederei CSAV ging schneller als gedacht, und die niedrigen Bunkerpreise wirken sich auf der Kostenseite positiv aus.

Auch die Entwicklung der Reederei Rickmers beobachtet die Branche mit Spannung. Die Rickmers Holding hat sich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dieser Schritt steht im Zusammenhang mit den angekündigten Plänen zur Stärkung des Eigenkapitals und der Innenfinanzierung der Gruppe.

Die bereits börsennotierte Lloyd Fonds AG will sich vom reinen Emissionshaus zum internationalen Schifffahrtsunternehmen wandeln. In einem ersten Schritt wollte die AG in diesem Jahr elf Schiffe aus KG-Fonds übernehmen. Das Votum der Anleger reichte nicht aus, um den Plan umzusetzen. Die Firma will jedoch den eingeschlagenen Weg fortsetzen und künftig eigene Schiffe führen.

Die ebenfalls an der Börse gelistete MPC Capital AG hat ihr Geschäft mit institutionellen Kunden ausgeweitet. Während das frühere Kerngeschäft mit der Verwaltung von Publikumsfonds zurückgeht, steigen die Erlöse aus Anlagemanagement und Beratungsleistungen für institutionelle Kunden deutlich. Ein Teil des Umsatzes resultiert auch aus Aktivitäten der Reederei Ahrenkiel Steamship und der Chartering-Gesellschaft Contchart, deren Anteile MPC in diesem Jahr übernommen hat.

Die Reederei Nord und Bernhard Schulte haben mit der britischen Borealis Maritime eine enge Kooperation vereinbart. Die drei Unternehmen werden ihre Charteraktivitäten künftig gemeinsam koordinieren. Borealis hatte im Sommer 18 Schiffe gekauft, die bislang in den Büchern der Commerzbank standen. Die Commerzbank steigt aus der Schiffsfinanzierung vollständig aus, einen offiziellen Zeitplan gibt es dafür jedoch nicht.

Die HSH Nordbank will sich zwar nicht aus der Schiffsfinanzierung zurückziehen, ihre Altlasten aus dem bestehenden Portfolio jedoch über Plan abbauen. Das Schiffsportfolio ist von 3300 auf weniger als 2000 Einheiten abgeschmolzen. Die Altlasten aus der Schifffahrt wird das Institut allein nicht bewältigen können. Deshalb plant die HSH, Schiffe „auf sinnvollem Weg“ ihren Haupt eigentümern zu übertragen.

Das Neugeschäft in der Schiffsfinanzierung verlagert sich bei der HSH zunehmend ins Ausland. Im vergangenen Jahr lag der Auslandsanteil im Neugeschäft bereits bei etwa einem Drittel. Mittlerweile setzt das Institut allein für das Asiengeschäft einen Anteil von einem Drittel als Maßstab. Auch die Nord/LB baut ihre Standorte in Asien aus, um Kunden bei deren Geschäften in Fernost zu begleiten. Für die internationale Handelsschifffahrt gewinnt vor allem der Standort Singapur an Bedeutung. fab

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