Außenweser-Anpassung immer dringlicher

Länge läuft: Die Stromkaje in Bremerhaven gehört zu den größten, in sich geschlossenen Containerterminals der Welt, Foto: Hero Lang

Betont die besondere Bedeutung der Häfen für die Wirtschaft des Bundeslandes Bremen: Senatorin Claudia Schilling, Foto: Bremer Senat
Während seit Mitte 2019 zugunsten des Hamburger Hafens mit Hochdruck an der Umsetzung der Elbvertiefung gearbeitet wird, muss sich Deutschlands Hafen-Cluster Nummer zwei, die Bremischen Häfen, bei der Außenweser-Vertiefung weiter in Geduld üben. Doch diese werde „dringlicher denn je“, forderte am Montag Bremens Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Dr. Claudia Schilling.
Die SPD-Politikerin erhob diese Forderung im Zusammenhang mit der Vorlage der Ausgabe des „Hafenspiegels“. Das Standardwerk erfasst in der aktuellen Version das Geschehen im Zwei-Häfen-Stadtstaat für 2019. Das Ganze sehr detailliert und facettenreich stellt der „Hafenspiegel 2019“ erneut eine ideale Fakten- und Informationsquelle rund um die Seehafenverkehrswirtschaft im kleinen deutschen Bundesland dar.
Schilling spricht sich für die Weser-Anpassungsmaßnahme vor dem Hintergrund der immer größer in Fahrt kommenden Containerschiffe aus. Ein Argument, dass auch die verschiedenen Senate sowie die Hafenwirtschaft in Hamburg seit dem Jahr der Antragstellung (2001/2002) ins Feld geführt hatten. Die Bremer Senatorin, deren Partei gemeinsam mit den „Grünen“ und „Die Linke“ seit Frühsommer 2019 einen gemeinsamen Senat stellt, greift auf diese Zahlen und damit verbundene Aussage zurück: Das „Durchschnittsschiff, das Bremerhaven anlief, hatte eine Bruttoraumzahl von 39.684 und damit 1500 BRZ mehr als 2018.“
Wobei die heute in den auch für Bremerhaven bedeutsamen Fahrtgebieten in der Containerlinienschifffahrt zum Einsatz kommenden Frachter BRZ-Werte von 100.000 BRZ und darüber hinaus aufweisen. Zur Einordnung: Ein Box-Carrier wie die „MSC Zoe“ mit knapp 20.000 TEU kommt bereits auf einen Wert von rund 192.000 BRZ. Innerhalb der Bremischen Hafen-Familie ist und bleibt Bremerhaven weiterhin das starke Hafen- und auch Logistikzentrum. 2019 wurden an den verschiedenen Terminals der Seestadt um und bei 57,2 Millionen Tonnen umgeschlagen. Was gerade in Bremerhaven seit Anfang der 1970er-Jahre bis heute passiert ist, lässt sich eindrucksvoll an dieser Zahl ablesen: In dem Basisjahr wurden in der Seestadt rund 7,7 Millionen Tonnen umgeschlagen. 1971 stand der erste reine Containerschiff-Liegeplatz zur Verfügung, der damit den Eckstein für die Serie von Containerterminals plus Liegeplätze im Zuge der „Stromkaje“ bietet. Die ist knapp fünf Kilometer lang, was ihr 2010 den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde eintrug: „größter zusammenhängender Container-Terminal der Welt.“
Neben Containern ist Bremerhaven heute die tragende Säule für die Neufahrzeuglogistik. Lange Zeit konnte der Standort seine Position als „Europas Autodrehscheibe Nummer eins“ verteidigen. Das belgische Zeebrugge hat diesen Platz nun fest inne.
Bremerhaven holte in den zurückliegenden Jahren aber noch in einem weiteren Segment auf: bei den Passagierschiffen. Insgesamt 246.995 Passagiere nutzten, so der „Hafenspiegel 2019“, den Spezialterminal „Columbuskaje“ in Bremerhaven. „Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2018 noch einmal übertroffen“, freut sich Senatorin Schilling. 130 Cruise-Schiffe wurden im Berichtsjahr gezählt. Damit trägt dieses Segment zu rund drei Prozent des gesamten Seeschiffsverkehrs im Hafen-Cluster Bremen bei. Das waren genau 6650 Schiffe aller Größen und Spezialisierungen, die im Berichtsjahr in der Häfen-Gruppe erfasst wurden. Mit einem Anteil von 57 Prozent stellten dabei Containerfrachter die mit Abstand größte Klasse, gefolgt von Autotransportern mit einem Anteil von gut 29 Prozent.
Die Bremischen Häfen bestätigten auch 2019 ihre große Bedeutung als der Standort für Nordamerika-Verkehre. Mit einer Gesamtmenge von gut 6,5 Millionen Tonnen nur im Export belegten die USA für die Bremischen Häfen auf der Seeausfuhr-Seite den ersten Platz, gefolgt von etwa 3,1 Millionen Tonnen nach China in dem Referenzjahr.
Wenngleich sich Bremerhaven zur tragenden Säule des Häfen-Clusters entwickelt hat, die sogenannten stadtbremischen Häfen bleiben ebenfalls wichtig. Es sind dies namentlich der Neustädter Hafen, die Industriehäfen und auch der vergleichsweise kleine Holzhafen. In diesen im Vergleich zu Bremerhaven zwar deutlich überschaubareren Hafenteilen findet weiterhin sehr wertschöpfungsintensiver Umschlag statt. Insgesamt entfallen auf diese Hafenteile rund zwölf Millionen Tonnen.
Für Senatorin Schilling wird jedenfalls mit dem neuen Hafenspiegel eines wieder bestätigt und auch herausgestellt: „Die Zahlen machen deutlich, dass der Hafen für die Wirtschaft unseres Bundeslandes kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat. Mittlerweile hängt jeder fünfte Arbeitsplatz im Land Bremen von den Häfen ab. Deshalb bleibt es gerade in diesen Zeiten eine zentrale Aufgabe, unsere Hafenanlagen durch den bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur wettbewerbsfähig zu halten.“ EHA
