Deutschlands größter Seegüterumschlagplatz erfüllt auch europäische Drehscheibenfunktion

Messestand „Gateway Hamburg“ auf der Messe „transport logistic“ in München, Fotos: HHM

Axel Mattern

Ingo Egloff

Die 2014 gebaute „CSCL Globe“ (19.100 TEU) beim Erstanlauf im Hamburger Hafen, Foto: HHM/Hasenpusch
Der Hamburger Hafen erreichte im Jahr 2014 mit einem Gesamtumschlag von 145,7 Millionen Tonnen das bisher beste Ergebnis seiner Geschichte.
Möglich wurde das Jahr der Umschlagrekorde, weil sowohl Hafenkunden als auch Reeder auf Hamburg setzen und die Leistungsqualität des Hafens zu schätzen wissen. Der international gute Ruf erfordert harte Arbeit und ein professionelles Standortmarketing – dafür engagiert sich der Verein Hafen Hamburg Marketing mit seinen 13 Repräsentanzen in den wichtigsten Kernmärkten.
THB: Herr Mattern, wie erklären Sie sich das im nordeuropäischen Vergleich überdurchschnittliche Wachstum im Seegüterumschlag des Hamburger Hafens?
Axel Mattern: Die Dienstleister für Umschlag, Logistik und Transport in Hamburg und der Region bieten einen enorm hohen Leistungsstandard. Besonders die Abfertigungsqualität und -geschwindigkeit, die Hinterlandanbindung sowie das vielseitige Angebot logistischer Dienstleistungen überzeugen die Hafenkunden weltweit, ihre Ladung über Hamburg zu routen.
THB: Welche Rolle spielt Hafen Hamburg Marketing bei den wachsenden Umschlagzahlen?
Mattern: Die Leistungskraft eines Hafens stützt sich auf viele Unternehmen aus der ganzen Metropolregion. In unserem Verein vernetzen wir die Stärken dieser Unternehmen zu einem Leistungsprofil. Uns ist es wichtig, die Vorteile des Hamburger Hafens als Verkehrsdrehscheibe weltweiter Transportketten zu kommunizieren, um Ladung nach Hamburg zu holen. Dazu engagieren wir uns gemeinsam mit unseren Repräsentanzen in den Märkten im In- und Ausland. Durch unsere Aktivitäten tragen wir zur langfristigen Stärkung der Wettbewerbsposition des Hamburger Hafens sowie der Häfen der Metropolregion bei – mit großen Erfolg: Die Hafen- und Logistikregion Hamburg hat heute weltweit ein positives Image und steht für Professionalität, Effizienz und Innovation.
THB:Diese gute Position gilt es, gerade in Zeiten von globalen und wirtschaftlichen Veränderungen, im Markt zu festigen und auszubauen. Wie wollen Sie das erreichen?
Ingo Egloff: Zusätzlich zu einem kontinuierlichen Austausch mit den Marktpartnern auf gemeinsamen Veranstaltungen oder in gemeinsamen Projekten, müssen vor allem die infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen, damit der Hafen- und Logistikstandort seine gute Position im internationalen Wettbewerb halten kann. Dazu zählen Projekte wie die Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe sowie die Modernisierung des Nord-Ostsee-Kanals, aber auch der Ausbau der landseitigen Verkehrsanbindungen auf Straße und Schiene und der Binnenwasserstraßen entlang der Oberelbe. Wir engagieren uns daher auch stark gegenüber Verbänden und der Politik für eine Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, um für weiteres Wachstum fit zu sein.
THB: Welche Märkte sind für den Hamburger Hafen besonders wichtig?
Mattern: China ist der mit Abstand bedeutendste Marktpartner im Containerverkehr – rund jeder dritte Container, der über die Hamburger Kaikanten geht, wird zwischen Hamburg und dem Reich der Mitte transportiert. Auf Platz zwei und drei rangieren Russland und Singapur. Als Überseehafen erfüllt Hamburg außerdem eine sehr wichtige europäische Hub-Funktion zur Verteilung von Feederladung in die Nord- und Ostseeregion. Wöchentlich bestehen mehr als 160 Feederverbindungen zwischen Hamburg und Skandinavien, Polen, Finnland, Russland und den baltischen Ländern sowie Großbritannien, Irland und Island. Damit weist der Hamburger Hafen in Europa die größte Abfahrtsdichte an Zubringerdiensten auf.
THB: Die Verkehre mit Russland sind seit der Ukraine-Krise, der Rubelschwäche und den gegenseitig verhängten Handelssanktionen im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent zurückgegangen. Wie reagieren Sie auf solche Krisen?
Egloff: Gerade im Transportgeschäft kommt es auf Langfristigkeit und Verlässlichkeit an. Darum setzen wir besonders in dieser wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeit auf Kommunikation und Partnerschaft. Im August 2014 haben wir beispielsweise den Dialog mit der russischen Verkehrswirtschaft auf unserem Hafenabend in St. Petersburg intensiviert und Anfang März 2015 waren wir gemeinsam mit unseren Partnerhäfen Kiel und Lübeck in Litauen. Dort haben wir mit der Klaipeda Port Authority eine gemeinsame Networking-Veranstaltung ausgerichtet. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass eine verstärkte Zusammenarbeit nicht nur der russischen Wirtschaft helfen würde, sondern insbesondere auch der Bevölkerung, die von den Sanktionen und den Währungswertverlusten sehr stark betroffen ist.
