Getreideumschlag in Hamburg wächst
Im Kampf gegen den Hunger in der Welt setzt die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft auf mehr Produktion und Handel mit Nahrungsmitteln. Hamburg fällt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Am Kai des Hamburger Futtermittelherstellers und Umschlagbetriebs HaBeMa machte vor kurzem der Getreidefrachter „Agnes“ fest. Riesige Saugrüssel beluden die sieben Ladeluken der „Agnes“ mit rund 70.000 Tonnen Weizen. Der 225 Meter lange Frachter machte sich anschließend auf die Reise in den Sudan. Dort wird der Weizen dringend benötigt, denn der Sudan gehört zu den Ländern, die sich nicht hinreichend mit Nahrungsmitteln versorgen können. Immer mehr Staaten sind davon betroffen, beobachtet HaBeMa-Chef Manfred Thering. Viele Länder böten nicht die natürlichen Voraussetzungen, um ausreichend Getreide, Gemüse und Obst anzubauen. Sie seien auf den Import von Agrargütern angewiesen, um ihre wachsende Bevölkerung zu versorgen. „Das müssen wir leisten“, meint Thering. Etwa 800 Millionen Menschen hungern, vor allem in Asien und Afrika.
„Wir müssen die Produktion von Lebensmitteln deutlich steigern“, fordert Volker Petersen vom Deutschen Raiffeisenverband. Die Anbauflächen weltweit werden zwar nicht mehr erweitert, sondern schrumpfen eher. Dennoch ließen sich auf den vorhandenen Flächen deutlich mehr Nahrungsmittel herstellen, wenn die Produktivität in allen Teilen der Welt gesteigert werde. Allerdings müssen die Nahrungsmittel auch die Verbraucher erreichen. Erhebliche Teile der produzierten Lebensmittel weltweit werden nicht verzehrt. Allein in der EU werden pro Jahr 90 Millionen Tonnen weggeworfen.
Von 2000 bis 2013 verdreifachte sich der weltweite Handel mit Agrarprodukten von 400 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar. Die EU exportiert Lebensmittel für 120 Milliarden Euro pro Jahr und ist damit Nettoexporteur. Auf der Liste der beliebtesten Exportwaren liegen Agrarprodukte auf Platz vier, hinter Maschinen, Chemie und Pharmazie. Oft handelt es sich um hochveredelte und damit teure Endprodukte wie Süßwaren, Wein und Spirituosen, Milch- und Fleischprodukte, Käse oder Butter.
Doch auch Agrarrohstoffe wie Weizen, Raps und Soja werden über Hamburg als führenden deutschen Getreidehafen ein- und ausgeführt – Tendenz steigend. Zuletzt wurden 8,2 Millionen Tonnen Sauggüter umgeschlagen, so viel wie noch nie. Auf HaBeMa entfallen allein 3,7 Millionen Tonnen. Die Firma verlädt unter anderem Weizen in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Der Umschlag von HaBeMa hat sich seit 2006 verdreifacht. dpa/fab
