Hamburg meistert neue Box-Carrier-Klasse (Video)

Volle Konzentration: Die „MOL Triumph“ gleitet langsam in den Waltershofer Hafen, Foto: Hasenpusch

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch ist zufrieden. Foto: Arndt

Die „MOL Triumph“ am Montag auf der Elbe bei Cuxhaven. Foto: Scheer
Der Hamburger Hafen sieht sich auch für die Containerschiffe mit der aktuell größten TEU-Kapazität bestens gerüstet.
Das unterstrich Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch am Dienstag anlässlich des Erstanlaufs des Containerfrachters „MOL Triumph“ (IMO 9769271) der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines (MOL) in der Hansestadt. Trotz der weiterhin ausstehenden Elbvertiefung sei der Hamburger Hafen auch bei Frachtern dieser Größenordnung und Transportkapazität international wettbewerbsfähig, betonte Horch.
Die „MOL Triumph“ im Video
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Video: THB
Der Frachter mit einer Gesamtlänge von 400 Metern, einer Breite von 58,8 Metern sowie einer rechnerischen Stellplatzkapazität von 20.170 TEU absolviert derzeit seine Jungfernfahrt. Fernost hatte der 192.672 Tonnen tragende Stahlgigant mit einer Zuladung von rund 17.500 Normboxen verlassen, berichtete Jan Holst, Director North Europe bei MOL, an Bord der Hafenbarkasse „Concordia“, die mit über 30 Journalisten und weiteren Vertretern der Hafenwirtschaft den im Waltershofer Hafen liegenden Box-Carrier umrundete. Für die japanische Reederei bedeuten dieses Schiff und die noch folgenden fünf baugleichen Einheiten ebenfalls den Vorstoß in eine neue Leistungsklasse. Bislang disponiert der maritime Konzern als größte Einheiten über Frachter mit gut 14.000 TEU. Die Entscheidung zu dem vorgenommenen Quantensprung bei der Transportkapazität sei erfolgt, um zum einen die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Zum anderen, um die sogenannten Skaleneffekte zur Entfaltung zu bringen, betonte Holst.
Die „MOL Triumph“ er reichte am frühen Montag abend mit der Flutwelle den Elbehafen, wurde vor dem Ansteuern des Container Terminals Burchardkai (CTB) der HHLA auf dem Fluss gedreht und über den Achtersteven in den Waltershofer Hafen bugsiert. Hier machte er am Großschiffliegeplatz 5/6 fest.
Der CTB verfügt über zwei Hochleistungsliegeplätze für die Abfertigung der neuen 20.000-TEU-Schiffe. Hier befinden sich auch die größten Containerbrücken des Hamburger Terminalbetreibers. Ihre Ausleger reichen über die gesamte Breite der Mega-Schiffe mit bis zu 24 Containerreihen. Am CTB arbeiten insgesamt 13 solcher Brücken.
Bis zur Abreise am frühen Donnerstagmorgen gegen vier Uhr werden rund 5900 TEU gelöscht sowie etwa 3500 TEU geladen, ergänzte Holst. Der Reederei-Spitzenmann lobte ausdrücklich die Präzisionsarbeit der verschiedenen Partner, von den Lotsen über die Schlepper und Festmacher bis hin zu den Behörden. Holsts Gesamtbewertung auf den Punkt gebracht: „Es hat alles wunderbar geklappt.“
Allerdings hatte die von einem erfahrenen Kapitän der japanischen Traditionsreederei geführte „MOL Triumph“ den Hamburg-Anlauf mit großer Präzision vorbereitet. Das erfolgte unter Einbeziehung der Nautischen Zentrale. Hamburgs Hafenkapitän Jörg Pollmann, Lotsenvertreter, ein nautischer Koordinator der Reederei sowie der Hafen agent von MOL in Hamburg, United Shipping Agency (UCA), hatten am Schiffssimulator unterschiedlichste Szenarien durchgespielt, um die nautisch-technische Sicherheit beim Erstanlauf des 400-Meter-Riesen zu gewähr leisten.
Auch für die HHLA stellt der neue Box-Carrier einen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte dar, betonte Jens Hansen, Vorstandsmitglied und Chief Operating Officer (COO) des Hafen- und Logistikkonzerns. Hansen weiter: „Dieser Erst anlauf unterstreicht die erfolgreiche Beziehung zu unserem langjährigen Kunden MOL.“
Die innerhalb des zeitlich exakt getakteten Anlaufs im Elbehafen geplanten Containermengen umzuschlagen, stellt sowohl an die Terminalorganisation als auch an die Mitarbeiter zum Beispiel auf den Containerbrücken höchste Anforderungen, betonte Hansen. Man werde alles tun, um das gegebene Leistungsversprechen zu erfüllen. Hansen ergänzte, dass der Hafendienstleister in den zurückliegenden Jahren systematisch in den Ausbau und die Modernisierung des CTB investiert habe. Damit ist der Terminal, zugleich Hamburgs Urzelle des Containerumschlags, in der Lage, zwischen 3,6 und 4 Millionen TEU auf Jahresbasis umschlagen zu können.
Der Großfrachter, zugleich das Typschiff der Sechserserie, entstand auf der Werft Samsung Heavy Industries (SHI) in Geoje. Die letzte Einheit erwartet die Reederei im Frühjahr 2018.
Die „MOL Triumph“ wird, wie auch ihre Schwesterschiffe, im Rahmen der neuen Reedereiallianz THE Alliance im sogenannten FE2-Service zwischen Asien und Europa eingesetzt. Dieser Gruppierung gehören dar über hinaus “K” Line, Yang Ming, UASC, Hapag-Lloyd sowie NYK an. Der FE2-Service bietet zwischen China und Südostasien sowie dem westlichen Mittelmeer und Nordeuropa einen direkten und schnellen Service. Die Transitzeiten in ostgehender Richtung zwischen Hamburg und Hongkong liegen nach Carrier-Angaben bei 33 Tagen, in westlicher Richtung zwischen Singapur und Hamburg sind es 24 Tage.
In Nordwesteuropa sieht der Fahrplan vor, dass zunächst Southampton, danach Hamburg und dann Rotterdam sowie Le Havre angesteuert werden, um anschließend wieder auf Kurs Fernost zu gehen.
MOL-Topmann Holst betonte, dass die von ihm repräsentierte Reederei weiterhin auf den Hamburger Hafen baue. So werden in den kommenden Monaten nicht nur die Schwestereinheiten des aktuellen Neubaus in Fahrt kommen. Auch geht Holst davon aus, das Hamburg-bezogene Ladungsaufkommen deutlich zu erhöhen. Zu den klaren Standortstärken aus Reederei-Sicht gehöre das hohe Loco-Aufkommen, das er für sein Unternehmen mit „10 bis 15 Prozent“ veranschlagte. Holst: „Das schaffen wir in keinem anderen deutschen Hafen.“ Von hohem Wert in der Container-Hinterland-Logistik sei für die Reederei zudem das engmaschige Bahnnetzwerk. Der MOL-Direktor hofft, dass es Hamburg in absehbarer Zeit gelingt, die Fahrrinnenanpassung der Elbe anzupacken. Ein weiterer Meter Tiefgang bedeutet nämlich, dass die Reederei mit ihren Frachtern pro Hamburg-Anlauf bis zu 3500 TEU zusätzlich aufnehmen kann. Beim aktuellen Anlauf habe man den Maximaltiefgang ausgeschöpft. Beim Anlaufen lag er bei 13,90 Metern, beim Auslaufen wird er 12,40 Meter betragen.
Die Vertiefungs-Notwendigkeit zweifeln indes die Umweltverbände BUND, WWF und Nabu erneut an. „Weder die MOL Triumph noch andere große Containerschiffe sind auf die Elbvertiefung tatsächlich angewiesen. Die Schiffe kommen nicht zwangsweise leichter, weil sie sich wegen mangelnder Tiefe beschränken müssten, sondern weil ein großer Teil der Ladung bereits an einer anderen europäischen Kaikante abgeladen wurde“, so die Umweltverbände. EHA