„Heimliche“ Premiere am Ostuferhafen

Am Kieler Ostuferhafen laufen die Vorbereitungen für einen neuen Kunden: Mehr als eine Million Tonnen schwedisches Papier sollen jährlich von den drei schwedischen Frachtern „Obbola“, „Östrand“ und „Ortviken“ dort angelandet werden. Damit dieser Umschlag in Kiels größtem Hafenteil auch reibungslos anläuft, muss getestet werden.

Eine „heimliche“ Premiere gab es vergangene Woche: Der 170 Meter lange Frachter „Ortviken“ legte auf dem Weg von Lübeck nach England am Liegeplatz 1 des Ostuferhafens an. „Das ist ein Testanlauf. Die Reederei SCA und unsere Leute wollen prüfen, ob der Anleger okay ist oder ob wir da bis zum offiziellen Start noch etwas ändern müssen“, sagte Knut Sörensen, Marketingchef des Seehafens Kiel.

Als Anleger sollen die Liegeplätze 1 und 4 vor den großen Papierhallen genutzt werden. Für die schneeweißen RoRo-Frachter von SCA wurde extra der Anleger am Liegeplatz 1 etwas modifiziert. Zu den normalen Fendern wurden drei große Yokohama-Schwimmfender an der Kaimauer postiert. Die großen runden Puffer stammen aus den USA und waren ursprünglich für Kreuzfahrtschiffe angeschafft worden. Jetzt sorgen sie dafür, dass die SCA-Schiffe den richtigen Abstand zur Kaimauer haben.

Der Test klappte im Rekordtempo. Nach wenigen Minuten lag die Rampe der „Ortviken“ exakt auf dem Ponton des Anlegers. Die Steigung war für die Schwerlast-Zugmaschinen nicht zu steil, und alle Auflagepunkte lagen dort, wo sie vorgesehen waren. „Und das, obwohl wir gerade etwas weniger Wasser im Hafen haben“, sagte Sörensen. Mit einem Tugmaster-Fahrzeug des Seehafens wurden drei große Spezialkassetten mit schwedischem Papier von der „Ortviken“ entladen. Es war das erste schwedische Papier seit fast zwölf Jahren, das im Kieler Hafen wieder per Schiff angelandet wurde. Zuletzt lieferten schwedische Konzerne bis 2003 Papier im Kieler Nordhafen an. Der Umschlag wurde danach nach Lübeck verlagert. Jetzt kehren die schwedischen Lieferanten nach Kiel zurück. Die Landeshauptstadt liegt am Nord-Ostsee-Kanal, den die Frachter nutzen. Das Trio „Ortviken“, „Östrand“ und „Obbola“ pendelt zwischen Sundsvall in Schweden und Tilbury in Großbritannien sowie Rotterdam in den Niederlanden. Auf dem Weg dorthin haben die Schiffe bislang Zeitungspapier und andere Erzeugnisse der schwedischen Forstindustrie in Lübeck angelandet. Zukünftig erhalten die deutschen Zeitungen nun das SCA-Papier wieder über Kiel.

„Der Seehafen Kiel hat mit großem Engagement ein Konzept entwickelt, das uns überzeugt hat, als wir zusammen mit Iggesund Terminalalternativen für den Umschlag der Frachtvolumen von Iggesund Paperboard und SCA Paper untersuchten“, sagte Magnus Svensson, Geschäftsführer von SCA Logistics, bei der Vertragsunterzeichnung.

Die Firmen SCA Logistics und Iggesund Paperboard hatten mit dem Seehafen Kiel im Juni die Grundlage für diese Verlagerung gelegt. Kiel ersetzt damit Lübeck als Vertriebsknotenpunkt für Mitteleuropa. FB/fab

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