HPA baut 2016 neuartige Lok-Servicestelle

Fotos: Arndt, Gut angenommen: die 2014 eingeweihte Güterwageninstandhaltung der HPA

Parkplatz: Rangier-Loks werden heute dezentral im Hafen abgestellt

Tragende Säule der Hamburger Hafenbahn: der Rangierbahnhof „Alte Süderelbe“. An seinem Nordende (Blickrichtung) wird auf der linken Seite, direkt neben den Gleisen die neue Lok-Servicestelle entstehen

Harald Kreft
Im 150. Jahr ihres Bestehens beschenkt sich die Hamburger Hafenbahn gewissermaßen selbst mit einem bedeutenden Präsent.
Nach den Sommerferien und damit noch vor dem offiziellen Jubiläumsfestakt im Hamburger Rathaus im September soll der erste Spatenstich zum Bau der neuen Lok-Servicestelle (LSS) erfolgen. Das bestätigte Harald Kreft, Leiter der Hafenbahn bei der Hamburg Port Authority (HPA), im Gespräch mit dem THB. Die ersten Überlegungen zum Bau einer solchen Einrichtung liegen gut fünf Jahre zurück. Mit dem Bau dieses Service-Zentrums setzt die HPA auch im europaweiten Häfen-Vergleich einen Meilenstein auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens. Von seiner Wirkungsweise wäre die Anlage vergleichbar mit einem Autohof, der unter anderem vom gewerblichen Güterkraftverkehr als Tankstelle, kurzzeitig nutzbarer Abstellplatz, Fahrer-Betreuungseinrichtung und auch für Kleinreparaturen nutzbar ist.
Kreft: „Wir wollen mit dieser Anlage künftig eine zentrale Abstellmöglichkeit für bis zu 32 Lokomotiven schaffen, und zwar E-Loks und auch Diesel-Loks.“ Um diese Anzahl auf dem begrenzten Areal unterzubringen, wird eine Schiebebühne in stal liert, wie sie bei vergleichbaren Bahneinrichtungen üblich ist. Zum Gesamtkomplex gehören zudem eine Lok-Wartungshalle sowie ein Gebäude, in dem sich durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) anmietbare Räume befinden. Räumlichkeiten für das Lok-Personal oder auch zum Einrichten einer Lok-Disposition. Ebenfalls vorgesehen sind eine Tankstation und eine sogenannte Besandungsstation für die Loks. Für Kreft trägt diese zentrale Lok-Servicestelle dazu bei, die knappen Schieneninfrastrukturkapazitäten bei der Hafenbahn selbst, aber auch im Vorfeld zum Hamburger Hafen – das heißt bis zum Rangierbahnhof Maschen – besser zu nutzen. Zur Verdeutlichung: So müssen beispielsweise täglich Loks verschiedener EVU zum Rangierbahnhof nach Maschen fahren, um dort technisch versorgt zu werden und am nächsten Tag wieder gen Hamburger Hafen zu rollen, wo sie vor allem Rangierarbeiten ausführen. Jede solcher Lok-Leerfahrten blockiert jedoch eine wertvolle Bahntrasse, die dann zum Beispiel für einen 700 Meter langen Güterzug nicht nutzbar ist.
Die HPA wird als Bauherr für die Lok-Servicestelle auftreten, doch der Werkstattbetrieb etwa wird über eine Konzession an ein Fachunternehmen vergeben. Räumlichkeiten können bedarfsweise von den verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen angemietet werden. Die Vermietung wird dann über die HPA-Organisation erfolgen. Zwar will man bei der Hafenverwaltung aktuell noch keine konkreten Aussagen zur Investitionssumme machen; nach THB-Recherchen bewegt sich diese aber in einer Größenordnung von rund 20 Millionen Euro.
Verläuft alles nach Plan, dann wird die Anlage im Laufe von 2017 in Betrieb gehen. Der längere Realisierungszeitraum erklärt sich unter anderem mit der intensiven Suche nach einem geeigneten Grundstück sowie der im Hamburger Hafen obligatorischen Blindgängersuche. Das Areal steht fest: Es liegt in direkter Nachbarschaft zum Rangierbahnhof „Alte Süderelbe“, der eine zentrale Rolle für die Ver- und Entsorgung der im westlichen Hafenteil (Waltershof) gelegenen Containerterminals spielt.
Auch das macht das technische Versorgungszentrum so bedeutsam: Es würde ideal die seit Herbst 2014 bestehende „Güterwageninstandhaltung“ ergänzen. Sie entstand auf historischem Hafenbahnboden auf der sogenannten Spreehafeninsel im östlichen Teil des Hamburger Hafens und in direkter Nachbarschaft zum Rangierbahnhof Hamburg Süd. Zum Gesamtensemble der rund acht Millionen Euro teuren Anlage gehört eine Werkstatthalle mit einer Gesamtlänge von 60 Metern, einer Breite von 21 Metern sowie zwei darin integrierten Gleisen mit einer Länge von zusammen 48 Metern.
Ein Gleisstrang verfügt zudem über eine eigene Grube, so dass auch der Unterbau der Waggons optimal für die Fachkräfte erreichbar ist. Eine weitere, direkt angrenzende Halle beherbergt eine Art Logistikzentrum, in dem unter anderem gängige Ersatzteile für die unterschiedlichen Waggons der verschiedenen EVU kostenpflichtig zwischengelagert werden. Dieses Service-Zentrum wurde inzwischen vom Verband der privaten Güterwagenhalter (VPI) offiziell anerkannt und als Fachwerkstatt für Dritte autorisiert und zertifiziert. Hafenbahnchef Kreft: „Diese Einrichtung wird inzwischen sehr gut angenommen.“ EHA
