Immer mehr Aufgaben mit immer weniger Ressourcen

Der Druck, immer mehr Aufgaben mit immer weniger Ressourcen, vor allem beim Fachpersonal, zu erfüllen, bereitet dem Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund (WSA) zunehmend Kopfzerbrechen.
Aktuell zählt die in der vorpommerschen Hafenstadt beheimatete Behörde 287 Mitarbeiter. Als das im Zuge des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses neu gebildete WSA seine Arbeit aufnahm, umfasste der Personalbestand noch 448 Mitarbeiter, berichtete Amtsleiter Holger Brydda am Mittwoch. Auch die Zahl der Spezialschiffe wurde in den zurückliegenden Jahren von 41 Einheiten auf acht reduziert. „Die Arbeit ist stark technisiert und enorm verdichtet“, ergänzte Brydda.
Das WSA in Stralsund, das Freitag sein 25-jähriges Bestehen begeht, ist für 800 Kilometer Fahrwasser in der Ostsee und 130 Kilometer auf Binnengewässern zuständig. Insgesamt 1200 Tonnen sowie 150 Baken und Feuer müssen gewartet werden.
Durch die Personalreduzierung passiere es, dass Behördenschiffe nicht mehr so eingesetzt werden könnten wie bislang. Eine schleichende Absenkung gewohnter Standards sei zu befürchten, so Brydda weiter. So würden Tonnen und deren Verankerungen nicht mehr im Zwölf-Monats-Rhythmus – einem über Jahre bewährten Abstand – kontrolliert werden können, sondern in größeren Zeitabständen. „Wir schieben eine zunehmend größer werdende Bugwelle vor uns her“, ergänzte der Leiter des Tonnenhofs, Manfred Cygan. Um hinzuzufügen: Ein Drittel aller vor Deutschlands Küsten ausgelegten Tonnen liegen vor Mecklenburg-Vorpommern. Der Personalabbau der zurückliegenden Jahre ist zwar vorläufig gestoppt. Mit der vom Bund betriebenen Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) soll es in Stralsund und Lübeck zu keinen weiteren Personalreduzierungen kommen. Die beiden Ämter – so sieht es die Reform jedenfalls vor – sollen zum künftigen „Wasserstraßen- und Schifffahrts amt Ostsee“ verschmelzen. Wann das passiert, ist derzeit aber noch offen. Das gilt als gesetzt: Die Standorte Stralsund und Lübeck sollen erhalten bleiben.
Zu den zahlreichen Veränderungen im Verlauf eines Vierteljahrhunderts gehört auch die Verkehrsentwicklung auf der Ostsee. Besonders sensibel bleibt dabei die sogenannte Kadetrinne. Zwischen 63.000 und 65.000 Schiffe werden hier im Jahr gezählt. In den küstennahen Gewässern gehe der Güterverkehr hingegen zurück, während im Gegenzug ein enormer Anstieg an touristischer Schifffahrt zu verzeichnen sei. Auch für sie müssten die Fahrwasser freigehalten werden, allerdings möglicherweise nicht mehr mit den gewohnten Durchfahrtstiefen.
Kostentreiber sind in der Ostsee die Ausbaggerungen von versandeten Zufahrten nach dem Eintrag von Sedimenten. Dem Wasser- und Schifffahrtsamt stünden dafür durchschnittlich zwei Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, erläuterte Brydda. Derzeit wird die Nordansteuerung nach Stralsund für 4,5 Millionen Euro ausgebaggert.
Im Jahr 2013 wurden die Bundeswasserstraßen bundesweit nach ihrer verkehrlichen Wichtigkeit kategorisiert. Danach sind in Mecklenburg-Vorpommern lediglich die Wasserstraßen nach Rostock in die bedeutende A-Kategorie aufgenommen. In der B-Kategorie ist Mecklenburg-Vorpommern nicht vertreten. In die C-Kategorie wurden die Ostansteuerung Stralsund und der Nördliche Peenestrom aufgenommen. Alle anderen Wasserwege würden unter der Kategorie „Sonstige“ aufgeführt – mit entsprechend knappem Mittelan satz. EHA/mv
