„Industrie benötigt noch mehr Erdgas“

Diskutierten gemeinsam über die Möglichkeiten von Schleswig-Holsteins größtem geschlossenen Gewerbegebiet ChemCoast Park (v.l.): Uwe Beckmeyer, Uwe Polkaehn, Frank Schnabel und Dr. Frank Nägele. Zur Veranstaltung kamen rund 130 Gäste aus nah und fern, Foto: Brunsbüttel Ports
Der Erdgasbedarf des Brunsbütteler Industrieknotens „ChemCoast Park“ wird in den nächsten Jahren spürbar steigen.
Das erwarten sowohl die in dem Gewerbe-Cluster konzentrierten Unternehmen als auch die Kieler Landesregierung. „Die Sicherstellung der Gasversorgung ist aus Sicht der Unternehmen des ChemCoast Parks Brunsbüttel auch eine Aufgabe des Bundes“, stellte Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Kieler Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, am Dienstag auf der Traditionsveranstaltung „Brunsbütteler Indus triegespräche“ (BIG) fest. Sie wurde zum 26. Mal in Folge ausgerichtet und zog diesmal rund 130 Teilnehmer aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik an.
Zu den prominenten Rednern, die Frank Schnabel, Sprecher der Werkleiterrunde des ChemCoast Parks, begrüßen konnte, gehörte neben Nägele auch der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer.
Zum bewährten Rahmen gehört dabei die Durchführung der Gesprächsrunde an Bord eines Fahrgastschiffes. In diesem Jahr diente die MS „Freya“ als schwimmende Plattform, von der aus die Gäste hautnah das Geschehen auf dem Nord-Ostsee-Kanal verfolgen konnten. In den Mittelpunkt der Tagung hatten die Veranstalter die Dauerthemen „Infrastrukturanbindung“ sowie „nachhaltige Energieversorgung“ gestellt.
Nägele machte deutlich, dass der Landesregierung die hohe Bedeutung Brunsbüttels und der Verkehrsanbindung der gesamten Westküste bewusst sei. „Wir unterstützen die Unternehmen und die Stadt Brunsbüttel in ihren Bestrebungen, den Industriestandort weiter auszubauen“, sagte er. Zugleich kündigte er ein Eckpunktepapier für eine moderne Industriepolitik in Schleswig-Holstein an. Das Papier, das im Schulterschluss mit Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften im neuen Industriereferat des Wirtschaftsministeriums entstehe, werde im November auf einem landesweiten indus triepolitischen Kongress diskutiert. Nägele: „Als Ergebnis wünsche ich mir ein starkes Bündnis für die Initiative ‚Industrie SH‘, unter deren Dach dann konkrete Handlungsansätze weiterentwickelt und umgesetzt werden“, führte Nägele aus.
Uwe Beckmeyer zeigte sich aufgeschlossen für das vom Hafen Brunsbüttel forcierte Projekt eines Nationalen LNG-Import-Terminals Brunsbüttel, das auch von den ChemCoast-Park-Ansiedlern unterstützt wird. Der Maritime Koordinator: „Der umweltfreundliche Energieträger LNG kann eine wichtige Rolle in Deutschland spielen, daher begrüßen wir die Planungen für einen LNG-Terminal in Brunsbüttel. Die Voraussetzungen des Standortes sind gut, diese gilt es nun zu nutzen.“
Die Verbesserung der in frastrukturellen Anbindung des größten, in sich geschlossenen Industrie- und Gewerbegebietes in Schleswig-Holstein lag Frank Schnabel einmal mehr besonders am Herzen. Er verwies unter anderem auf den notwendigen zweigleisigen Ausbau, ergänzt um eine entsprechende Elektrifizierung der Bahnstrecke vom Industriegebiet Brunsbüttel bis Wilster/Itzehoe. Auch der Güterbahnhof im ChemCoast Park bedürfe einer Sanierung, da „er seit Jahren abgängig ist“. Straßenseitig müssten unbedingt die Weiterführung der A20 einschließlich einer westlichen Elbquerung bei Glückstadt sowie insbesondere der dreispurige Ausbau der B5 zwischen Itzehoe und Brunsbüttel angepackt werden. Die A20 sei für Schleswig-Holstein und vor allem für die Westküste „eines der herausragenden Infrastrukturprojekte und muss ohne weitere Verzögerungen weiter geplant und umgesetzt werden“, forderte Schnabel. Die B5 sei derzeit die einzige Anbindung Brunsbüttels an die Autobahn und in Spitzenzeiten besonders stark belastet. Daher sei ein dreispuriger Ausbau unerlässlich. Und auch das gehört für Schnabel ganz oben auf die Prioritätenliste: Für den Nord-Ostsee-Kanal haben neben dem Neubau der 5. Schleusenkammer und der Sanierung der bestehenden Schleusenkammern in Brunsbüttel und Kiel auch die Ostbegradigung und die Vertiefung der Kanalsohle auf gesamter Länge höchste Priorität.
Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Bezirk Nord, sieht im ChemCoast Park einen Garanten für den Arbeitsmarkt an der Westküste. Man habe daher sehr bewusst mit den Arbeitgebern das „Industriepolitische Bündnis Brunsbüttel“ geschlossen. Alles müsse getan werden, um den Industrie standort Brunsbüttel langfristig zu stärken. EHA
