Kiel stellt Weichen für Wachstum

Der Kieler Hafen sieht in dem aktuell noch durch das Kohlekraftwerk auf dem Ostufer belegten Areal die entscheidende strategische Flächenreserve für den weiteren Ausbau des Hafens, damit für mehr Umschlag und vor allem auch eine hohe, lokal wirksame Wertschöpfung. Das brachte Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH, am Donnerstag bei der Präsentation der Hafenbilanz 2019 zum Ausdruck.

Das über 50 Jahre alte Kraftwerk, das inzwischen stillgelegt und durch ein modernes Gaskraftwerk abgelöst wurde, belegt gut 14 Hektar. Mit der Stadt stehe man über die Zukunft dieses Filetstücks bereits im engen, konstruktiven Austausch. Es sei nichts von heute auf morgen, jedoch ein Vorhaben, das man im weiteren Verlauf der neuen Dekade angehen werde. Das alte Kohlekraftwerk müsse zunächst abgerissen werden, wofür zwischen zwei und 2,5 Jahre veranschlagt werden. Zudem wünsche sich die Stadt,dass das alte Areal auch in einen neuen „Hafenentwicklungsplan“ (HEP) eingearbeitet werde.

Und auch das wird am Ende auf den Hafen als potenziellen Flächenentwickler zukommen: eine umfangreiche Kampfmittelsondierung, die, das zeigen die laufenden Erfahrungen bei anderen Bauprojekten auf dem Ost ufer der Förde, entsprechende brisante Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg hervorbringen werden. Erst dieser Tage wurde bei der Werft TKMS eine britische Fliegerbombe gefunden. Das Ostufer beherbergte bis Kriegsende jede Menge Rüstungs- und Werftindustrie, die intensiv mit Bomben belegt wurde.

Auf dem mit dem Kohlekraftwerk bebauten Areal entstand das neue Gaskraftwerk, das am Mittwoch ebenfalls offiziell in Betrieb genommen wurde. „Das Küstenkraftwerk spart gegenüber dem Vorgängerkraftwerk jährlich rund eine Million Tonnen CO2 ein“, sagte Frank Meier, der Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Kiel. Dies entspreche dem Kohlendioxid-Ausstoß von 500.000 Autos. Die Anlage ersetzt das kohlebasierte Gemeinschaftskraftwerk.

Für den Seehafen bedeutet die Abschaltung des über 50 Jahre alten Kraftwerkes indes auch das: den Wegfall von rund 400.000 Tonnen Kraftwerkskohle pro Jahr. 2019 wurden „nur“ noch gut 200.000 Tonnen bewegt. Die Kohle kam in der Vergangenheit entweder per Seeschiff und dann Direktumschlag oder per Ganzzug aus Brunsbüttel. Bei dieser Kohle ging es um Brennstoff aus Übersee. EHA

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