Kieler Seehafen mit deutlichem Minus

Der Kieler Seehafen hat 2015 das Vorjahresergebnis deutlich verfehlt.

Beim Güterumschlag musste der maritime Standort – er ist nach Lübeck und Brunsbüttel der drittgrößte in Schleswig-Holstein – einen Rückgang um 4,2 Prozent auf 6,2 Millionen Tonnen hinnehmen. Vor dem Hintergrund der Russland-Sanktionen und der schärferen Umweltauflagen für die Schiffe kann der Hafen trotz dieses Rückgangs insgesamt zufrieden sein, sagte Geschäftsführer Dr. Dirk Claus am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz für das abgelaufene Jahr. Der Umschlag bei Massengütern sank um 9,4 Prozent. Vor allem bei Kohle und Getreide gab es ein klares Minus. Die Beschränkungen im Russland-Handel schlugen sich im Direktverkehr deutlich nieder: Die Verbindungen nach St. Petersburg und Ust-Luga verloren ein Viertel des Ladungsaufkommens. Die Linie Kiel–Klaipeda (Litauen) konnte dagegen ihr Ergebnis mit mehr als zwei Millionen Tonnen halten.

Die norwegische Color Line zählte auf der Oslo-Route wieder mehr als eine Million Passagiere, verpasste aber das Top-Ergebnis des Vorjahres um rund sechs Prozent. Dies lag auch an langen Werftzeiten wegen neuer Umweltauflagen, von denen ebenfalls die schwedische Stena Line betroffen war. Die Reederei konnte trotz langer Werftzeit der „Stena Germanica“ im Februar und März 2015, als die Fähre zur ersten weltweit mit Methanol betriebenen RoPax-Fähre umgerüstet wurde, auf der Linie nach Göteborg um zwei Prozent auf 386.000 Passagiere zulegen. Zu dem Plus trugen auch Flüchtlinge bei, die seit September verstärkt auf der Strecke unterwegs waren, so der Marketing-Manager Germany, Martin Wahl.

Während die Anzahl der Reisenden aus Schweden um fünf Prozent sank, gab es von deutscher Seite ein Plus von zwölf Prozent, berichtete Ulrich Kock, Shipping Logistics Manager bei Stena Line Freight. Die Anzahl der transportierten Fahrzeuge legte um ein Prozent auf 98.000 zu. Beim Umsatz sorgten die zusätzlichen Passagiere und Fahrzeuge für ein Plus von sieben Prozent. Dagegen reduzierte sich das Frachtaufkommen im vergangenen Jahr gegenüber 2014 um etwa 1000 Einheiten. Stena führt die Verringerung auf Ausfälle durch mehrwöchige Bahnstreiks zurück. Die Aktionen unterbrachen mehrfach den Bahnverkehr nach Kiel. „Viele Logistikunternehmen mussten auf andere Wege ausweichen. Das verdeutlicht die Relevanz der Bahnanbindung zum Kieler Hafen“, betont Kock. Fünfmal pro Woche verkehrt ein Zug zwischen dem Schwedenkai und Hamburg-Billwerder. Zweimal wöchentlich erreicht der von Stena Line und Kombiverkehr Frankfurt betriebene Direktzug aus Verona die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt.

Stena: Positive Entwicklung trotz der Bahnstreiks

„Wegen der Streiks war 2015 kein einfaches Jahr. Trotzdem können wir positive Entwicklungen verzeichnen. So haben wir zum Beispiel mehr als 5000 Neufahrzeuge verschifft – in Göteborg produzierte Pkw sowie neue Lkw und Baumaschinen von Volvo und Scania. Wir erwarten für 2016 einen weiteren Anstieg der Zahlen in diesem Segment. Auch die Nachfrage im Bereich Schwertransporte mit Überbreiten hat angezogen und wird voraussichtlich weiter steigen“, so der Stena-Frachtmanager.

Auch Kiels Hafenchef blickt zuversichtlich in das laufende Jahr. Er erwartet einen kräftigen Impuls vom Papierumschlag aus Nordschweden. Zielmarke für die Zukunft sind eine Million Tonnen, sagte Claus. Im Ostuferhafen hat der Umschlag von Papier und hochwertigen Pappen aus Nordschweden begonnen. Seit kurzem machen Schiffe von Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA) einmal wöchentlich an Liegeplatz 1 fest, um Teilmengen zu löschen. Diese Probephase dauert bis zum Sommer, bevor regelmäßig ganze Schiffspartien umgeschlagen werden. In Vorbereitung des Projektes wurden bereits im Herbst 2015 zwei unmittelbar an Liegeplatz Nr. 1 angrenzende, jeweils 10.000 Quadratmeter große Lagerhallen umgebaut. Die bestehenden Schuppen 1 und 2 erhielten neue Dächer und speziell für die Papierlagerung ausgelegte Fußböden. Für den Umschlag sowie den Betrieb in den Hallen wird zusätzliches Fachpersonal eingestellt und neues Gerät angeschafft. Dazu entsteht derzeit auf der Erweiterungsfläche des Ost uferhafens eine weitere 18.000 Quadratmeter große Lagerhalle, der Schuppen 10. Noch im Dezember wurden erste Köcherfundamente hergestellt, auf die die Stahlbetonkonstruktion der Halle aufgesetzt wird.

Investitionen in Höhe von 33 Millionen Euro geplant

Der Lübecker Hafen hatte den Papierumschlag im vergangenen Jahr verloren. SCA begründete die Verlagerung mit der günstigen Lage Kiels am Ausgang des Nord-Ostsee-Kanals und den lang fristigen Entwicklungsmöglichkeiten. Claus: „Wir investieren über 20 Millionen Euro, um unseren Neukunden optimale Bedingungen am Standort Kiel zu bieten.“ Insgesamt sind in diesem Jahr Investitionen in Höhe von 33 Millionen Euro in den verschiedenen Hafen teilen vorgesehen.

Mit weiteren Zuwächsen rechnet er auch für den kombinierten Schiff/Schiene-Ladungsverkehr. 2015 wurden an den Eisenbahnterminals erstmals über 28.000 Trailer und Container auf Waggons verladen. Im laufenden Jahr sollen es deutlich mehr als 30.000 Einheiten werden. Das größte Wachstum verzeichnete 2015 die Verbindung nach Verona, die inzwischen fünfmal je Woche und Richtung bedient wird. Um die wachsenden Mengen zeitgerecht abfertigen zu können, ist in neue Umschlagtechnologie inves tiert worden. Nachdem der Ostuferhafen mit einem leistungsstarken Portalkran ausgerüstet wurde, ist ein vergleichbares Gerät nunmehr auch am Schwedenkai im Einsatz. Zugleich bieten die Kombizüge im Ostuferhafen und am Schwedenkai direkten Anschluss an die Fähren ins Baltikum sowie nach Schweden. Um zusätzliche Kapazitäten anzubieten, wurden die Verona-Züge bereits um jeweils zwei Waggons verlängert. Claus: „In diesem Jahr wollen wir erstmals mehr als 30.000 Trailer und Container auf die Bahn verladen.“

Im Kreuzfahrtbereich rechnet der Kieler Hafen für 2016 mit 116 Anläufen (2015: 132) und 400.000 Passagieren. Das wären zwar deutlich weniger als 2015, aber immer noch das zweitbeste Ergebnis der Geschichte. 2017 soll bei Passagieren wieder etwa das Niveau von 2015 erreicht werden – bei zwar „nur“ 117 Anläufen, aber größeren Schiffen. Im laufenden Jahr beginnt die Saison am 25. April. Zu den Höhepunkten gehört die Jungfernfahrt von „Mein Schiff 5“ Mitte Juli.

Im vergangenen Jahr hat das boomende Kreuzfahrtgeschäft dem Kieler Hafen einen neuen Rekord beschert. Gut 458.000 Passagiere wurden 2015 an der Förde auf den Traumschiffen gezählt und damit satte 29,4 Prozent mehr als im Vorjahr. „Passagierzahlen und Gesamttonnage (8,6 Millionen BRZ) stellen neue Top-Ergebnisse in Kiel dar“, so Geschäftsführer Claus. Insgesamt reisten über den Kieler Hafen 2,1 Millionen Passagiere und damit zwei Prozent mehr als 2014. FBi

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