Köhlbrand-Entscheidung muss her

In der für Hamburgs Hafen so wichtigen Speditions- und Logistikwirtschaft wächst die Sorge darüber, dass es in nicht einmal zehn Jahren heißen könnte: „Rien ne va plus – nichts geht mehr auf der Köhlbrandbrücke.“

Denn etwa 2030 erwartet die Hamburg Port Authority (HPA) das Ende der technischen Lebenszeit für die 1974 mit einem großen Volksfest eingeweihte, inzwischen zu einem Wahrzeichen der Stadt aufgerückte Brücke über den Elbe-Nebenarm Köhlbrand. Der Verein Hamburger Spediteure (VHSp) drängt vor diesem Hintergrund aufs Tempo, soll die täglich von rund 38.000 Fahrzeugen, Pkw wie auch Lkw, genutzte und den östlichen mit dem westlichen Hafenbereich verbindende Brücke ausfallen.

VHSp-Vorsitzer Willem van der Schalk fand auf der jüngsten Mitgliederversammlung seiner Organisation im Hotel Hafen Hamburg jedenfalls deutliche Worte: „Bei einer voraussichtlichen Baudauer von 15 Jahren für eine neue Köhlbrandquerung können wir uns keine weitere Verzögerung bei der Realisierung leisten.“ Nach fester Überzeugung des von ihm geführten Branchenverbandes müsse diese Entscheidung „so schnell wie möglich getroffen werden. Heißt: „Noch in dieser Legislaturperiode.“ Und: „Bitte keine finanzpolitische Taktik.“ Auch deshalb, weil nur so die Wirtschaft planen kann. Dabei ist es für den VHSp zunächst einmal zweitrangig, ob das alte Bauwerk nun durch eine neue Konstruktion ersetzt wird, deren lichte Durchfahrthöhe dann statt der heute rund 53 Meter bei knapp Mitte 70 Metern liegen dürfte, oder ob ein Tunnel gegraben wird, so dass die jetzige Brücke abgerissen werden kann. Wichtig ist für van der Schalk, dass dann aber auch sogenanntes Gefahrgut durch einen solchen Tunnel transportiert werden kann. Der Verbandschef und erfahrene Praktiker fragt: „Wie sollten ansonsten Gefahrguttransporte bei einer Tunnellösung in den Norden kommen?“ Sein Vorstandskollege und Unternehmer Pay Andres-Lüders formuliert es noch plastischer: „Es werden nicht nur Socken und Krawatten in den Containern über die Köhlbrandbrücke transportiert.“

Handlungsdruck erkennen Hamburgs Spediteure auch beim Dauerbrenner Zollabfertigung. Für einen nicht unerheblichen Teil der Importsendungen betrage die Zeit bis zur physischen Verfügbarkeit der Ware immer noch bis zu eineinhalb Tage. Eine Konsequenz: Statt Container umweltfreundlich mit der Bahn ins Hinterland zu transportieren, würden angesichts der Eilbedürftigkeit viele Güter dann auf den flexibleren Lkw verladen, so der VHSp. EHA

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