Kohle bis 2040 als Energieträger ersetzbar

Verteilerfunktion: Verladung von Importkohle in Schubleichter im Hamburger Hafen, Foto: Hasenpusch
Deutschland könnte bis 2040 auf seine Kohlekraftwerke verzichten, ohne damit die Stromversorgung zu gefährden.
Zu dieser Einschätzung kommt eine am Dienstag in Mainz vorgestellte Studie der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Sie wurde in ihrem Auftrag durch das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken und die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin erstellt. Um dieses umweltpolitische Ziel zu erreichen, müssten zusätzlich zum bereits vom Bund geplanten Ausbau erneuerbarer Energien (EG) – wie etwa der Windkraft – auch neue Gaskraftwerke gebaut werden.
Rheinland-Pfalz will bis zum Jahr 2030 seinen Stromverbrauch nach Darstellung der Landesregierung „bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken“. Dabei soll der Löwenanteil auf Windkraft entfallen, ergänzt um Photovoltaik. Die damit verbundene Strompreissteigerung werde moderat ausfallen, erwartet die Energieministerin von Rheinland-Pfalz, Eveline Lemke (Grüne). Je nach Entwicklung der Kosten für Kohlenstoffdioxid-Emissionen würde der Strompreis bis 2030 lediglich um 0,7 bis 2,7 Cent pro Kilowattstunde steigen, so Lemke.
In Deutschland gibt es nach THB-Recherchen derzeit rund 130 große Kohlekraftwerke, und zwar mit dem Fokus auf Braunkohle. 2014 erzeugten diese Kraftwerke gut 43 Prozent des Bruttostroms. Kohle stellt für eine Vielzahl der deutschen Seehäfen sowie auch für Binnenhäfen ein wichtiges Umschlaggut dar. So wurden beispielsweise in Hamburg 2014 rund 9,9 Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen (plus 4,4 Prozent), während der Unterweserhafen Nordenham auf 1,6 Millionen Tonnen oder Wilhelmshaven auf 3,1 Millionen Tonnen (minus sechs Prozent) kamen. Bedeutende Importplätze für Kohle sind dar über hinaus die ARA-Häfen Rotterdam, Amsterdam und auch Antwerpen.
Nach Erhebungen des Vereins der Kohleimporteure (VDKi) wurden 2014 rund 56,2 Millionen Tonnen Kohle über den Seeweg nach Deutschland herangeführt, ein Rückgang von gut acht Prozent oder 4,8 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Für den Rückgang war unter anderem eine um drei Prozent verringerte Stromerzeugung im Berichtsjahr verantwortlich. Auch wirkte sich der Anstieg der erneuerbaren Energien am nationalen Energiemix dämpfend auf die Kohleimporte aus.
Deutschlands Steinkohlebedarf wurde auch 2014 zu rund 86 Prozent durch Importe und zu 14 Prozent durch Inlandskohle gedeckt.
Der Schwerpunkt des Absatzes von Steinkohle liegt ungebrochen bei den Kraftwerken, und zwar mit einem Anteil von 69 Prozent (Vorjahr: 71 Prozent). Auf Platz zwei folgt die Eisen- und Stahl industrie mit 28 Prozent (2013: 26 Prozent).
Bei Kraftwerkskohle deckt Deutschland seinen Kernbedarf durch Importe aus Russland, den USA und Kolumbien. Kokskohle wird vor allem aus Australien (Anteil: 45 Prozent) bezogen, gefolgt von den USA (29 Prozent) und Kanada mit 13 Prozent Marktanteil. EHA/dpa
