LNG-Schwergewicht Rotterdam

Der niederländische Hafen Rotterdam positioniert sich weiter als Schlüsselstandort in der europäischen LNG-Versorgungsinfrastruktur für die Schifffahrt. Dass die Kompetenz vorhanden ist, hat jetzt erneut ein Ship-to-Ship-Bunkering im Hafen belegt.

Bei dem Vorgang wurde der jüngst in Dienst gestellte 1380-TEU-Carrier „Containerships Polar“ der CMA-CGM-Tochtergesellschaft Containerships im Calandkanal im Europort an extra eingerichteten Liegeplätzen mit dem alternativen Treibstoff versorgt. Das LNG kam vom ebenfalls neuen, 110 Meter langen Binnentanker „LNG London“, der mit einer Kapazität von 3000 Kubikmetern in Langzeitcharter für den Shell-Konzern fährt. Er ist das inzwischen dritte LNG-Bunkerschiff für Shell und soll Unternehmensangaben zufolge hauptsächlich in Rotterdam sowie in Amsterdam und Antwerpen eingesetzt werden.

Zur Shell-Flotte gehört dabei auch die deutlich größere „Cardissa“ mit einer Kapazität von 6500 Kubikmeter LNG. Das Bunkerschiff war zwischenzeitlich auch als Flüssiggasversorger des Kreuzfahrtschiffs „Aidanova“ im Hafen von Teneriffa im Einsatz. Inzwischen operiert es jedoch primär in und von Rotterdam aus und versorgt Schiffe sowie Bunkerterminals bis in den Ostseeraum.

Für Rotterdam spielt das LNG-Bunkering eine immer wichtigere Rolle. Bis Jahresende werden allein für Containerships vier mit verflüssigtem Erdgas betriebene Feeder unterwegs sein. Hinzu kommen weitere Frachter aus Norwegen, Tanker aus Schweden und weitere Spezialschiffe wie Saugbagger. Einen Durchbruch sah der Port of Rotterdam im vergangenen Jahr: Der Umschlag von LNG zur Betankung stieg nach Unternehmensangaben um ein Vielfaches von 1500 Tonnen im Jahr 2017 auf dann 9500 Tonnen (thb.info 22. Februar 2019). Den größten Teil davon absolvierte die „Cardissa“. 2016 war das Geschäftsfeld in Rotterdam mit lediglich 100 Tonnen LNG gestartet.

Ohnehin befinden sich Angebot, also die Versorgungsinfrastruktur, und Nachfrage in Form von LNG-betriebenen Schiffen jeweils nach wie vor im Aufbau. Nach Informationen der Klassifikationsgesellschaft DNV GL befinden sich derzeit 164 Schiffe mit LNG-Antrieb in Fahrt, ein Großteil in Europa. 154 weitere seien bestellt. Die Containerschifffahrt steht indes noch am Anfang: Der DNV-GL-Plattform Alternative Fuels Insight zufolge fahren derzeit sieben Boxcarrier mit verflüssigtem Erdgas. Zugleich stünden aber auch 31 im Orderbuch – und die werden teils wesentlich größer als die Feeder, die bislang im LNG-Betrieb unterwegs sind. ger/FB

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