Niederländer hadern mit Bundesverkehrswegeplan

Die Niederlande sind unzufrieden mit dem Bundesverkehrswegeplan: „Wir sind enttäuscht“, sagte Birgit Gijsbers, Director Maritime Affairs des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt, auf der Deutsch-Niederländischen Logistikkonferenz in Duisburg.

Sie bemängelte vor allem, dass der Ausbau der Wasserstraße Rhein, aber auch die Schienenanbindung der Seehäfen Rotterdam und Antwerpen vernachlässigt würden. „Die geplanten Investitionen, die für die Rheinvertiefung vorgesehen sind, sind viel zu gering. Das wird das Wachstum in der Binnenschifffahrt stark behindern“, meinte Gijsbers. Angesichts der erwarteten Zunahme des Güterverkehrs komme dem Ausbau der Rheinschiene als wichtigster Transportroute im europäischen Wasserstraßennetz eine viel zu geringe Bedeutung zu. Die Mittel für Wasserstraßenprojekte seien von 13,8 auf 8,5 Milliarden Euro gekürzt worden. Für den Rhein seien nur noch 300 Millionen Euro statt 1,2 Milliarden vorgesehen. Die Niederlande bereiteten sich indessen intensiv auf das Wachstum der Güterverkehrsströme vor, so Gijsbers. Zum Beispiel durch den Ausbau der Terminals in Rotterdam und eine Veränderung des Modal Split zugunsten des Binnenschiffs und der Bahn. „Alle betroffenen Parteien sollten sich jetzt gemeinsam für eine entsprechende Revision im Bundesverkehrswegeplan stark machen“, forderte Gijsbers.

Bei NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) rennt sie damit offene Türen ein. „Grundsätzlich sind wir einer Meinung“, sagte Groschek. Doch habe die Korrektur der Pläne für die Wasserstraßenprojekte auch einen sachlichen Grund: Gelder konnten nicht abgerufen werden, weil es keine ausreichenden Planungskapazitäten gibt. „Die Wasserstraße ist eine Sache des Bundes“, sagte Groschek. „Wir wollen die Partnerschaft mit den Niederlanden ausbauen“, betonte er. Allerdings wünscht er sich dabei auch ein wenig mehr „niederländische Mentalität“ in Deutschland. Denn in den Niederlanden werde nicht nur diskutiert, sondern man verständige sich auf den Ausbau der Infrastruktur. „Ein Stück weit mehr niederländisches Denken und Handeln täte uns sicher gut“, meinte Groschek.

Kooperation vor allem in der Hinterlandlogistik trotz scharfen Wettbewerbs untereinander lautete auch das Thema der Seehäfen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg und Bremerhaven sowie des Binnenhafens in Duisburg – nicht zuletzt weil das Containerwachstum stagniert und Wünsche offen lässt. „In diesem Jahr erwarten wir im Containergeschäft allenfalls eine schwarze Null“, sagte Michael Tasto vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). China als Wachstumstreiber ist angesichts der konjunkturellen Krise ausgefallen. Das Russland-Embargo und die zunehmende Konkurrenz weiterer Containerterminals wie beispielsweise im polnischen Gdansk oder auch am Mittelmeer sorgen für mehr Wettbewerb. „Ich bin für 2016 eher pessimistisch“, meinte denn auch Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Zweistellige Wachstumsraten würden auch in Zukunft im Containerbereich wohl nicht mehr erzielt. „Dass der Container Treiber der Entwicklung war, gehört ohnehin der Vergangenheit an“, meinte er. Wohl eher Zufall war, dass Staake auf dem Podium zwischen den Vertretern der Seehäfen Rotterdam und Antwerpen saß – den wichtigsten Partnern der Duisburger. Denn immerhin erbringt Duisburg den Löwenanteil des Güter umschlags mit diesen beiden Seehäfen. Deren verkehrliche Anbindung spielt für NRW daher eine zentrale Rolle.

Die Seehäfen Antwerpen und Rotterdam geben sich mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung vorsichtig optimistisch: „Wir haben eine atypische Entwicklung und erwarten in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen ein Wachstum“, sagte Frank Geer kens vom Port of Antwerp, ohne aber Zahlen zu nennen. Er sieht auch im Hinterlandverkehr mit Deutschland noch viel Potenzial, und zwar vor allem im Schienengüterverkehr. Hier sei Raum für Kooperation, so Geerkens. „Der Markt ist schwach. Da hilft alles nichts“, meinte Emile Hoogsteden vom Port of Rotterdam. 2016 peilt er dennoch ein Plus an. Denn in Rotterdam nehmen neue Terminals den Betrieb auf. Verstärken will Rotterdam auch die Kooperation mit dem Hinterland, insbesondere mit dem Duisburger Hafen. „Deutschland hat mit Rotterdam und Antwerpen noch zwei Seehäfen mehr“, meinte Hoogsteden. Das müsse vor allem bei den In ves ti tio nen in die Infrastruktur noch deutlicher werden, mahnte auch er eine entsprechende Revision des aktuellen Bundesverkehrswegeplans an. GRA/pk

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