Schiffdiesel aus, Stromstecker rein

Unter Strom: die „Color Fantasy“ am Donnerstag am Norwegenkai in Kiel, Foto: Siemens/Ulrich Wirrwa
Was die modernen, zwischen Kiel und Oslo verkehrenden RoPax-Fähren der Color Line in der norwegischen Hauptstadt Oslo bereits seit 2011 können, ist jetzt auch in Kiel möglich.
Denn ab sofort heißt es am Norwegenkai nach dem Anlegen der Fähren nur knapp: „Schiffsdiesel aus, Stromstecker rein.“ Am Donnerstagmittag wurde im Universalhafen Kiel Deutschlands modernste Landstromanlage mit einem medial sehr stark begleiteten, offiziellen Festakt in Betrieb genommen. 1,2 Millionen Euro kostete die vom Industriekonzern Siemens konzipierte, gelieferte und eingerichtete Anlage, die künftig nach Darstellung der Seehafen Kiel GmbH „die größte Landstrommenge in ganz Deutschland liefert“. Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für den Ostseehafen, für den Stammkunden Color Line und für den allgemeinen Klima- und Umweltschutz hat das Land Schleswig-Holstein das Vorhaben mit rund 400.000 Euro gefördert.
Die neue Anlage hat eine maximale Anschlussleistung von 4,5 Megawatt (MW) bei einer elektrischen Spannung von 10 Kilovolt (KV) und einer Netzfrequenz von 50 Hertz (Hz).
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) kündigte in seiner Rede an, dass mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage zugleich das Startzeichen zum Bau weiterer solcher Versorgungseinrichtungen gegeben werde. Günther wörtlich: „Wir werden weitere Anlagen dieser Art fördern.“ Und eine solche wird bereits in wenigen Monaten auch in Kiel zur Verfügung stehen, kündigte Hafenchef Dr. Dirk Claus an. Es ist eine Kombi-Anlage, die es erlauben wird, sowohl RoPax-Fähren der Stena Line am Schwedenkai als auch Passagierschiffe am Kreuzfahrtterminal am Ostseekai mit Energie aus der Steckdose zu versorgen. Claus weiter: „Wir wollen künftig 60 Prozent des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe mit Landstrom decken. Damit zählen wir zu den umweltfreundlichsten Häfen in Europa.“
Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer (SPD) sagte, dass Kiel „als Klimaschutzstadt bis 2050 klimaneutral sein will“. Das ehrgeizige Ziel könne aber nur erreicht werden, „wenn alle mithelfen“.
Color-Line-Reederei-Vorstandschef Trond Kleivdal forderte die Bundesregierung in Berlin dazu auf, die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Landstrom in der Schifffahrt schnellstmöglich zu verbessern. „Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, die EEG-Umlage auf Landstrom zu reduzieren.“ Norbert Brackmann, maritimer Koordinator der Bundesregierung, versprach, sich dafür einzusetzen, „Landstrom konkurrenzfähig zu machen“. EHA
