Seehafen Kiel zum Halbjahr im Minus

Seehafen Kiel: 6,9 Prozent Minus beim Umschlag und 3,3 Prozent weniger Passagiere, Foto: Port of Kiel/P. Lühr
Umweltauflagen, Handelsbeschränkungen gegenüber Russland und ein rückläufiger Umschlag von Massengütern haben das Ergebnis des Kieler Seehafens im ersten Halbjahr 2015 belastet.
An den Kieler Terminalanlagen wurden von Januar bis einschließlich Juni insgesamt gut drei Millionen Tonnen umgeschlagen, teilte die Seehafen Kiel GmbH & Co. KG jetzt mit. Das bedeutet einen Rückgang von 6,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.
„Wie prognostiziert, haben die Handelsbeschränkungen von und nach Russland sowie neue Umwelt auf lagen für Schiffskraftstoffe unser Umschlagergebnis im ersten Halbjahr beeinflusst“, sagte Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer der Hafengesellschaft. Die Handelssanktionen führten zu einem Rückgang der Exporte nach Russland. Davon sind insbesondere die Stückgutverkehre betroffen. So werden etwa temperaturgeführte Lebensmitteltransporte per Kühltrailer kaum noch nachgefragt.
Als Reaktion auf die neuen Umweltauflagen haben alle Kiel anlaufenden Fährreedereien ihre Schiffe mit Abgasreinigungsanlagen ausgestattet oder fahren mit alternativen Kraftstoffen. Diese Umrüstungen waren zum Teil mit sehr langen Werftaufenthalten verbunden. Allein die Norwegen-Fähren mussten zum Einbau von Scrubbern jeweils vier Wochen aus dem Dienst genommen werden.
Über alle Fährdienste betrachtet haben die Werftaufenthalte auch Einfluss auf den Passagierverkehr. Insgesamt gingen im ersten Halbjahr 2015 knapp 870.000 Passagiere an oder von Bord. Der Rückgang im Fährverkehr von acht Prozent konnte durch einen Zuwachs in der Kreuzfahrt von 15 Prozent immerhin teilweise kompensiert werden, sodass in der Summe 3,3 Prozent weniger Passagiere befördert wurden. Claus: „Die Werftzeiten zu Jahresbeginn bedeuten einen negativen Einmaleffekt, der durch eine hohe Auslastung der Schiffe in den Sommermonaten bereits teilweise ausgeglichen ist.“ Bis Jahresende werde sich das Minus sowohl im Fracht- als auch im Passagierverkehr weiter verringern.
Schwächer als erwartet hat sich der Umschlag von Massengütern entwickelt. Während Agrarprodukte und Öle auf Vorjahresniveau rangieren, verzeichneten die Importe von Baustoffen und Kohle Rückgänge. Demgegenüber legte der Schienengüterverkehr von und nach Kiel weiter zu. So wurde im kombinierten Ladungsverkehr von Schiene und Schiff in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ein zweistelliger Zuwachs von 15,4 Prozent erzielt.
„Die enge Vernetzung der Kombizüge mit den Fährabfahrten nach Skandinavien und ins Baltikum kommt sehr gut an“, so Claus. Durchlaufende intermodale Verkehre würden insbesondere Richtung Schweden an Bedeutung gewinnen. Vor dem Hintergrund wachsender Verkehrszahlen habe sich am Eisenbahnterminal des Schwedenkais der neue Portalkran bewährt. fab

