„Umsiedlungskosten in Milliardenhöhe“

Die Bestrebungen der Hansestadt Hamburg, Olympische Sommerspiele 2024, alternativ auch 2028, auszurichten, werden von der lokalen Hafenwirtschaft zunehmend kritisch bewertet.

Offizielles Sprachrohr der Hafenwirtschaft, die zur Durchführung der Spiele auf rund 120 Hektar hochwertige Gewerbefläche am Ostrand des ehemaligen Freihafens verzichten müssten, ist dabei der Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH). Dessen Präsident, Gunther Bonz, beziffert die Kosten für eine Umsiedlung der Unternehmen auf einen Betrag in der Größenordnung „zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro“, rechnete Bonz am Dienstagabend während einer Diskussionsveranstaltung des Fernsehsenders Hamburg1 vor. Für diese Summe müsste die städtische Hafenbehörde HPA (Hamburg Port Authority) oder die Stadt selbst aufkommen, ergänzte Bonz. Wichtig für ihn: Verschiedene Vertreter des SPD-Grünen-geführten Senats, einschließlich des Bürgermeisters Olaf Scholz, haben in den zurückliegenden Monaten wiederholt erklärt, dass die Hafenwirtschaft für den Grundstücksverlust auf dem „Kleinen Grasbrook“ mit gleichwertigen Flächen in anderen Teilen des Hafens entschädigt werden sollen. Doch auch das steht für den Senat fest: Flächen aus dem schon vor Jahrzehnten als potenzielles Hafenerweiterungsgebiet definierten Bereich im Westen des Hafens – es geht um die Dörfer Moorburg und Francop – stünden dabei nicht nur Disposition.

Überraschende Unterstützung bekommen die Olympia-kritischen Teile der Hafenwirtschaft vom Hamburger Rechnungshof. Dieser hatte kürzlich bemängelt, dass das Großvorhaben für die Stadt mit erheblichen Risiken verbunden sei. Die Experten des Rechnungshofes stellten zudem klar, dass sie Zweifel an einer tragfähigen Gesamtkosten-Einschätzung haben, weil das zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich sei. Bürgermeister Scholz hatte zugesagt, dass die Hamburger Bevölkerung, bevor sie am 23. November über die Frage „Olympiade ja oder nein“ abzustimmen habe, bereits umfassend über die Gesamtkosten informiert werden sollte.

Indes wiesen am Mittwoch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) und Schleswig-Holsteins Verkehrs- und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) auf einer Veranstaltung in der Hansestadt auf die großen Chancen der Olympiade hin. Meyer: „Ein Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele würde wie ein Konjunkturprogramm wirken.“ Vor allem die Verkehrsinfrastruktur würde davon profitieren. EHA/dpa

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