Vom Küstenhafen zum Kontinental-Hub

Fernand Traen, Foto: Port of Zeebrugge

Foto: Arndt, Joachim Coens

Teil der Ära Traen: 1984 eingeweihte Vandamme-Schleuse mit vorgelagerten Hafenbecken , Foto: Arndt
Die belgische Seehafenverkehrswirtschaft hat eine bedeutende Persönlichkeit verloren.
Der langjährige Präsident des Hafenbetriebs Zeebrugge (Maatschappij voor Brugse Zeevaartinrichtingen, MBZ), Fernand Traen, starb am 22. Juni im Alter von 86 Jahren. Das teilte die MBZ jetzt mit.
Traen hatte das Kommando auf der MBZ-Brücke zwischen 1975 und 2001. In diesem Vierteljahrhundert stellte er wichtige Weichen dafür, dass der einstige, vor allem von der Fischerei, dem Fährverkehr sowie der Marine und auch als Seebad geprägte belgische Nordseehafen aufstieg.
Dabei gelang es Zeebrugge, dank konsequenter Ausweitung des Service-Portfolios zu einem wichtigen Hafen innerhalb der Hamburg-Le Havre-Range aufzusteigen. Zur Einordnung: 2015 gingen im belgischen Küstenhafen rund 38,3 Millionen Tonnen (minus 9,9 Prozent) über die Kaikanten.
Zu den zahlreichen Meilensteinen der Ära Traen gehören Projekte wie der Bau des neuen Vorhafens, so dass zum Beispiel der Containerverkehr kräftig wachsen konnte, der Bau einer neuen Großschleuse – der „Pierre Vandammesluis“ –, die Inbetriebnahme des ersten LNG-Import-Terminals in den Benelux-Ländern (1987) und die Entwicklung des dem eigentlichen Seehafen vorgelagerten „Achterhaven“-Bereichs. Hier siedelten sich im Verlauf der Jahrzehnte unter anderem zahlreiche neue Logis tikdienstleister an.
Zu den dunklen Stunden in der Wirkungszeit des studierten Juristen gehörte zweifelsohne die Havarie mit der RoPax-Fähre „Herald of Free Enterprise“ der Reederei Townsend Thoresen (später: P&O European Ferries) direkt im Zufahrtsbereich des Hafens als Folge des Missachtens von Sicherheitsvorschriften. Dabei traf den Hafen allerdings keine Schuld. Zeebrugge war nach dem Unglück über Wochen hinweg ein medialer Brennpunkt.
Die 1980 auf der ehemaligen Schichau Unterweser AG (SUAG) gebaute Fähre verkehrte zum Unglückszeitpunkt im Ärmelkanalfährverkehr. Bei dem Unglück starben mehr als 190 Passagiere. Bis zur Bergung der knapp 132 Meter langen Fähre wirkte das nur teilweise gesunkene Wrack wie ein Mahnmal. 1988 wurde das Unglücksschiff verschrottet.
Als Konsequenz des Unglücks wurden damals die Sicherheitsvorschriften für RoPax-Fähren beim An- und Ablegen verschärft. Heißt unter anderem: Heck- und/oder Bugklappen erst schließen, dann ablegen beziehungsweise diese Pforten erst öffnen, sobald das Schiff unmittelbar am Terminal anlegt. Zudem ist der Aufenthalt im Frachtdeck während Fahrt streng verboten.
Traen, Mitglied der flämischen Christdemokraten (CVP), war ein politisch denkender und auch handelnder Hafenchef. Er verfügte in seiner Amtszeit über sehr gute Kontakte ins politische Brüssel, nicht immer nur zur Freude des benachbarten Mitbewerbers Antwerpen.
Zu den verschiedenen Visionen Traens gehörte die Verbesserung der Seehafen-Hinterlandanbindungen Zeebrugges, zumal für Bahn und auch Binnenschiff. Ein entsprechendes Kanalprojekt wurde allerdings bis heute nicht realisiert.
So sehr Traen für „seinen“ Hafen lebte, so sehr konnte er sich auch für Kunst und Kultur sowie Geschichte begeistern. Traen war sehr belesen und zudem ein bekennender Deutschland-Freund.
2001 endete dann die Ära Traen als MBZ-Chef, und er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zudem wurde er für seine Verdienste zum Ritter geschlagen. Sein Lebenswerk, der Hafen, spielt in seinen 2015 erschienenen Erinnerungen eine zentrale Rolle. Der Titel: „Brugse Memories“.
Traens Nachfolger wurde 2001 Joachim Coens. Er reagierte mit Bestürzung auf die Nachricht über den Tod des einstigen „Hafenlöwen“ Fernand Traen: „Er war ein entschlossener Kämpfer für einen starken Hafen Brügge-Zeebrugge. Sein unermüdliches Schaffen bewirkte unter anderem den Ausbau einer neuen Hafeninfrastruktur.“ EHA
