Weichenstellung für weiteres Wachstum

Vorbildfunktion: Der KV-Bahnhof ist von Anfang an Kernbestandteil des Terminals CTA, Foto: Arndt

Weichensteller (v.l.): Oliver Dux und Stefan Behn

Unter dem „laufenden Rad“ erfolgt der Ausbau des KV-Bahnhofs, Fotos: Arndt
Hamburger festigt seine Marktstellung als Europas führender Eisenbahnhafen.
Nach rund 15 Jahren laufendem Betrieb des Container Terminals Altenwerder (CTA) stellt die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) die Weichen für eine Kapazitätserweiterung des an den See-Terminal angegliederten Umschlagbahnhofs für den kombinierten Verkehr (KV) Schiff/Schiene. Damit nicht genug: Es werden parallel dazu umfangreiche Sanierungsarbeiten am Bestands-Gleiskörper des Bahnterminals vorgenommen, und das alles „unter dem laufenden Rad“, und dem Anspruch, die Gesamtterminalabläufe „möglichst gering zu beeinträchtigen“, erläuterte HHLA-Vorstandsmitglied Dr. Stefan Behn am Freitag das Ausbauprogramm.
„Das Gesamtvorhaben ist auf gut zehn Millionen Euro veranschlagt“, ergänzte Oliver Dux, CTA-Geschäftsführer. Da es sich beim Bahn-Modul des CTA um einen öffentlichen Terminal handelt, wurden auch öffentliche Fördermittel aus entsprechenden Sonderprogrammen des Bundes beantragt. Dux: „Über die Höhe führen wir derzeit noch Gespräche mit dem dafür zuständigen Eisenbahn-Bundesamt.“
Die Arbeiten selbst begannen bereits am 1. April. Der Zeitplan für die Umsetzung des Maßnahmengesamtpakets ist sehr ambitioniert, wie Behn und Dux einräumten. „Alles soll innerhalb von einem halben Jahr abgeschlossen werden. Wir sehen dabei allerdings ganz gute Chancen dafür, dass wir dank optimaler Planung und Absprache sogar noch etwas eher fertig werden“, stellte Dux vorsichtig in Aussicht.
Der Ausbau jedenfalls verschafft Luft für weitere bis zu 140.000 TEU Umschlagkapazität; das heißt, künftig können im Bahn-Modul bis zu 930.000 Normbehälter im Jahr umgeschlagen werden. Ein Entwicklungsspielraum, der auch dringend benötigt wird, betonte Vorstandsmitglied Behn. „Der KV-Terminal am CTA ist heute schon Deutschlands aufkommensstärkster Bahnterminal. Allein zwischen 2010 und Ende 2015 wuchs die TEU-Menge um gut 20 Prozent auf immerhin 796.000 TEU“, präzisierte Behn.
Und das sind die konkreten Arbeiten an der Bahn-Hardware: Die Gesamtfläche des KV-Bahnhofs bleibt mit der Erweiterung unverändert, denn der Einbau der beiden zusätzlichen Gleise erfolgt auf der Bestandsfläche. Dux dazu: „Das steigert die ohnehin hohe Flächeneffizienz der Anlage.“
Diese „Flächenverdichtung“ zwingt wiederum zu technischen Begleitschritten. Weil sich der Abstand zwischen den Gleisen verringert, kann die Überprüfung der Containerdaten nicht mehr wie bisher durch Terminalmitarbeiter erfolgen, die mit einem Spezialfahrzeug zwischen den Zügen entlang fahren müssen. Dux: „Das machte den Bau eines sogenannten ‚Traingates‘ erforderlich.“ Die torähnliche Konstruktion stellt eine Weiterentwicklung der bereits für den automatisierten Terminal-Lkw-Check im Bereich der sogenannten „Fuhre“ installierten Einrichtung dar. Bei der Zugeinfahrt und dem Passieren dieser „Bahn-Kontrollbrücke“ werden die Daten der Container automatisch erfasst. Die Genauigkeit liegt heute schon bei über 90 Prozent. Der Rest muss noch konventionell erfasst werden. Das Traingate-Verfahren sei damit schneller, so dass die Abfertigung des Zuges früher beginnen könne.
Zudem sinke durch den Wegfall der heute üblichen dieselbetriebenen Checkmobile der CO2-Ausstoß. Auch wenn mit dem aktuellen Ausbau- und Modernisierungs-Paket die Umschlagleistung der Anlage weiter steigt, arbeitet die HHLA schon jetzt an Konzepten für einen möglichen weiteren Leistungssprung. Behn: „Wir haben da einige Ideen.“ Eine Überlegung dabei lautet: Neue Umschlagkrane, wenn die Bestandsgeräte ihre technische Leistungsgrenze erreicht haben.
Der KV-Bahnhhof am CTA stellte bei der Inbetriebnahme des Terminals im Oktober 2002 einen Meilenstein und das Vorbild für Terminalprojekte rund um den Globus dar. Denn von vornherein war der KV-Terminal in das Gesamt-Terminal-Layout integriert worden. Inzwischen hat die HHLA auf ihren beiden weiteren Hamburger Containerterminals CTB und CTT leis tungsstarke Bahn-Module integriert. Beim CTT standen die Planer aufgrund des Flächenzuschnitts vor der großen Herausforderung, die Umschlagbrücken kurvengeführt zu installieren. Das sorgte für einiges Aufsehen in der Fachwelt. 2014 bewegte die HHLA auf ihren drei Hamburger Terminals rund 1,6 Millionen TEU. Mitbewerber wie Rotterdam oder Antwerpen kamen im Referenzjahr auf 790.000 TEU beziehungsweise 396.000 TEU. EHA
