„Wir arbeiten an German Dry Docks 4.0“

Erst bündelten sie in Bremerhaven ihre Kräfte, jetzt werden die Reparatur- und Antriebsspezialisten von German Dry Docks (GDD) auch international aktiv.

Effiziente Strukturen stehen seit der Gründung im Mittelpunkt des Unternehmens. Vor drei Jahren führte der Schiffbauunternehmer Dieter Petram mehrere miteinander konkurrierende Reparaturbetriebe in Bremerhaven zusammen. Die Entwicklung gab ihm recht: „Nach dem Schulterschluss hat GDD mehr Schiffe bearbeitet, als in den Jahren zuvor bei allen Vorgängerunternehmen zusammen gedockt wurden“, berichtet Petram.

„Lange Fahrtunterbrechungen oder gar Wartezeiten für eine Reparatur kann und will sich niemand leisten“, sagt GDD-Geschäftsführer Guido Försterling, „deshalb sind wir mit unserem Komplettservice aus einer Hand und den flexiblen Dockkapazitäten sehr gut aufgestellt.“ Docken, Reparieren, Erneuern, Umbauen, Instandsetzen und Montieren – das ist das Kerngeschäft. Zudem verfügt das Unternehmen über große Kompetenzen im Bereich Retrofit beispielsweise für die Nachrüstung von Abgas-Reinigungssystemen oder Ballastwasser-Behandlungsanlagen. Darüber hinaus ist GDD mit den Spezialisten der MWB Motorenwerke Bremerhaven sowie mit einem eigenen Ingenieurbüro in der Unternehmensgruppe für jede Aufgabe gerüstet.

Im Bemühen um Schiffsankünfte und Umschlagzahlen ist guter Service direkt am Ort für die Hafenwirtschaft in Bremerhaven und in den niedersächsischen Häfen ein wichtiges Argument – vor allem wenn er sieben Tage in der Woche dienstbereit ist und über kurzfristig disponierbare Kapazitäten auch für größere Einsätze verfügt. „Für die Reeder ist es ein wichtiger Kostenvorteil, wenn sie notwendige Reparaturen schnell zwischen dem Löschen und Laden ihres Schiffes erledigen können“, erläutert Försterling.

Doch für die Auslastung eines Betriebes mit 120 eigenen und rund 220 Beschäftigten in der Gruppe reicht das lokale Geschäft nicht aus. „Wir bieten unseren Service deswegen weltweit an“, betont der Geschäftsführer. Ein anderer Weg sind die unternehmerischen Aktivitäten im Ausland. Seit Oktober 2015 ist GDD an dem niederländischen Reparaturspezialisten „Rotterdam Ship Repair“ beteiligt. Jetzt expandiert German Dry Docks in Richtung Jamaika und will von dort die Karibik und den gesamten Golf von Mexiko bedienen.

Generell glaubt Försterling nicht daran, dass sich die Situation in der Schifffahrt und damit das neue Kostenbewusstsein der Reeder auf lange Sicht ändern werden. Deswegen entwickelt er bereits die Strukturen für ein Unternehmen, das sich auch in 20 Jahren am Markt behaupten kann. „Wir arbeiten an German Dry Docks 4.0“, so Försterling. Dazu zählen Überlegungen, wie künftige Schiffsantriebe aussehen werden. Die Tage der Dieselmotoren sind nach seiner Überzeugung angesichts schwindender Ölvorräte und wachsender Klimaschutzanstrengungen gezählt; die aktuell diskutierten LNG-Antriebe stellen für ihn eine Übergangslösung dar: „Langfristig werden nachhaltigere Energiequellen das Antriebssystem bestimmen, darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Auch sein Konzept des mobilen und weltweiten Einsatzes entspricht Försterlings Vorstellungen von der künftigen Entwicklung in der Schifffahrt. „Eine der für uns wichtigen Fragen wird sein: Müssen Schiffe wirklich regelmäßig nach einem starren System ins Dock?“, sagt der 41-Jährige. Denkbar wäre es, die Wartungen nach dem tatsächlichen Verschleiß vorzunehmen, wie es bereits in der Luftfahrt praktiziert wird. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das System geändert wird und Dockzeiten damit deutlich weniger werden.“ Der Weg dahin „wird sicherlich nicht einfach“, meint Försterling, „aber weil wir heute schon die Weichen stellen, werden wir dann gut gerüstet sein.“ aw

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