Antwerpen drängt Deutschland zum Bahnausbau

Wichtiger Kunde für die Eisenbahn in Antwerpen: der Chemiesektor. Im Scheldehafen befindet sich Europas größter Chemie-Cluster, der wiederum auch stark auf den deutschen Markt ausgerichtet ist. Hier eine Be- und Entladestation für Kesselwagen bei ITC Rubis (Foto: Arndt)
Vor dem Hintergrund eines beständig wachsenden Güterverkehrs mit Ziel- und Quellgebiet Deutschland drängt der Hafen Antwerpen auf einen forcierten, grenzüberschreitend orientierten Ausbau der Verkehrswege von und nach Antwerpen.
Dabei drängt die Zeit, meint Antwerpens Hafenwirtschaft, die dabei auch von Teilen der deutschen Wirtschaft unterstützt wird. Das wurde jetzt erneut auf einer Veranstaltung in Berlin deutlich, die von der IHK-Initiative Rheinland ausge richtet wurde.
In dem noch in diesem Sommer zu verabschiedenden, neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) sind die besonderen Hinterlandinteressen Antwerpens bislang noch nicht in dem notwendigen Maße einkalkuliert, sagte Luc Arnouts, CCO der Antwerp Port Authority (APA). Arnouts weiter: „In der Vorlage sind die grenzüberschreitenden Seehafenhinterlandanbindungen nach Antwerpen nicht ausreichend berücksichtigt. Aus unserer Sicht gibt es einen deutlichen Nachbesserungsbedarf. Ohne einen ausreichenden Schienenausbau besteht die Gefahr, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie entlang des Rheinkorridors sinkt.“
Deshalb sollte nach seiner Überzeugung eine zusätzliche Schienenverbindung in das Rhein-Ruhr-Gebiet in die endgültigen Fassung des Bundesverkehrswegeplans „unbedingt aufgenommen werden“.
Ein Drittel aus Deutschland
Hans Königs, Repräsentant des Scheldehafens für Deutschland, wies ergänzend darauf hin, dass sich bis heute der Anteil deutscher Ladung am Gesamtaufkommen von Europas Seehafen Nummer zwei auf gut ein Drittel belaufe. Heißt für 2015: rund 65 Millionen Tonnen. Im vergangenen Jahr kam Antwerpen auf einen Gesamtumschlag von gut 208 Millionen Tonnen – ein historischer Rekord.
„Nur mit einer zusätzlichen Schienenstrecke zwischen dem Rhein-Ruhr-Gebiet und Antwerpen können künftige Transportströme effizient und umweltverträglich realisiert werden“, stellte Königs heraus. Er betonte: „Bereits heute ist zu beobachten, dass Fernstraßenverbindungen Richtung Nordrhein-Westfalen überlastet sind.“ Deshalb müssten über den neuen Bundesverkehrswegeplan jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Königs wies darauf hin, dass Antwerpen bis 2030 mit einer Steigerung des Güterumschlags auf mehr als 300 Millionen Tonnen rechnet. Zugleich werden bis dahin die Güterströme zwischen Antwerpen und Deutschland um rund 50 Prozent steigen. Dieses Wachstum kann nach Überzeugung des belgischen Hafens „nur durch eine Verlagerung von der Straße auf die Wasserstraßen und Schienenwege bewältigt werden“.
Neben der Ertüchtigung der Wasserstraßenverbindungen komme es deshalb darauf an, die Schienenwege rechtzeitig auszubauen. Zur Einordnung: 2015 bot sich beim Modal-Split im Hinterlandverkehr dieses Bild: Gut 40 Prozent des Aufkommens ging per Binnenschiff über die Wasserstraße Rhein, etwa 15 Prozent wurden grenzüberschreitend per Bahn transportiert und 45 Prozent rollten per Lkw über die Fernstraßen im Korridor zwischen Aachen und Emmerich. EHA
