Berlins ELK-Rückzieher bereitet Sorgen

Die vom Bundesverkehrsministerium überraschend erfolgte Entscheidung, den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) bis auf Weiteres zurückzustellen, löst in der Verkehrswirtschaft der Trave-Hansestadt Unverständnis und auch Befürchtungen aus.

„Wir nehmen die aktuelle Debatte um den verzögerten Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals mit Sorge wahr“, teilte Philipp Geißler, Vorsitzender der Vereinigung Lübecker Schiffsmakler und Schiffsagenten e.V. (VLSS), dem THB auf Anfrage mit. Er erinnerte daran, dass „dieses Projekt aus unserer Sicht völlig zu Recht in den „Vordringlichen Bedarf“ des BVWP aufgenommen wurde“. Die entscheidende Argumentation dafür: „Es spiegelt den Willen der Bundesregierung wider, das politische Ziel „From Road to Sea“ im BVWP ernsthaft umzusetzen.“

Geißler führte weiter aus, dass „die Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs ein fester Bestandteil der europäischen Verkehrspolitik“ sei. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten alles daransetzen, „dieses Ziel durch geeignete Maßnahmen zu fördern“. Und dazu gehört nun einmal auch, dass dafür „eine leistungsfähige Infrastruktur“ bereitgestellt wird.

Geißler betonte, dass der ELK die einzige Wasserstraße sei, „die einen direkten Zugang von der Ostsee zum nationalen und europäischen Binnenwasserstraßennetz bietet“. Damit stelle der rund 66 Kilometer lange Kanal, der von 1895 bis 1900 gebaut wurde, auch so etwas wie eine „Angebotsinfrastruktur“ dar.

Aus Sicht der Lübecker Schiffsmakler erschien der seinerzeit für eine ELK-Ertüchtigung durch das Bundesverkehrsministerium ermittelte Betrag von rund 838 Millionen Euro sowieso schon viel zu hoch. Die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck hatte in einem von ihr in Auftrag gegebenen Gutachten einen deutlich geringeren Betrag errechnet: rund 464 Millionen Euro. Eine so große Differenz hat natürlich Folgen: „Die erhöhten Kosten drücken das Nutzen-Kosten-Verhältnis erheblich“, sagt Geißler. Daher sollte aus Verbandssicht nochmals das Augenmerk auf „einen realistischen Baukostenansatz gelegt werden“. Und weiter: „Wir sind daher klar der Meinung, dass eine kostenrealistische Ertüchtigung des ELK weiterhin notwendig und auch sinnvoll ist.“

Der „Grünen“-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz aus Mölln hatte das ELK-„Aus“ hingegen begrüßt: „Die bisherige Fehlplanung der extrem teuren und umweltschädlichen Verbreiterung und Vertiefung des Kanals muss nun endgültig gestoppt werden“, forderte der „Grünen“-Bundestagsfraktionsvize weiter. EHA/dpa

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