ELK-Ausbaustopp ein einziges „Trauerspiel“

Klassische ELK-Tonnage: die 1953 gebaute „Ariki“, rund 80 Meter lang und 8,20 Meter breit, in der Schleuse Lauenburg, Foto: T. Jann

„Die schlechte Nachricht hat mich wie ein Hammer getroffen.“ Holger Lehmann, CEO der Lehmann-Gruppe, Foto: T. Jann
Die Nachricht über den De-facto-Ausstieg des Bundes aus dem Zukunftsvorhaben „Ertüchtigung des Elbe-Lübeck-Kanals“ (ELK) hat in der alten Hafen- und Hansestadt eine wahre Schockwelle ausgelöst.
Das jedenfalls zeigten die in der THB-Redaktion eingehenden Reaktionen aus der ortsansässigen maritimen Verbundwirtschaft im Anschluss an die ausführliche Berichterstattung in Deutschlands einziger maritimer Tageszeitung. Der Frust ist auch deshalb so ausgeprägt, weil erst Tage zuvor, nämlich am 9. Februar, der Entwurf zum neuen Hafenentwicklungsplan 2030 (HEP 2030) in die Lübecker Bürgerschaft eingebracht wurde. Darin spielt die Ertüchtigung des zwischen 1895 und 1900 gebauten, rund 67 Kilometer langen Kanals im Zusammenhang mit einer Stärkung des intermodalen Hinterlandangebotes eine zentrale Rolle.
Das ELK-Projekt war im Zusammenhang mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP), dessen Planungs- und Wirkungshorizont ebenfalls das Jahr 2030 beinhaltet, 2016 in den „vordringlichen Bedarf“ aufgenommen worden.
Holger Lehmann, geschäftsführender Gesellschafter der mittelständischen Lehmann-Gruppe, die sich mit weiteren Firmen und Interessen-Plattformen intensiv in den Ausgestaltungsprozess um den künftigen Lübecker HEP eingebracht hatte, teilte jedenfalls dem THB mit, dass ihn „die schlechte Nachricht wie ein Hammer getroffen hat“. Und weiter: „Das ist ein echtes Trauerspiel. Denn nach erfolgtem Ausbau wären pro Jahr zwischen drei bis fünf Millionen Tonnen Ladung über den ELK machbar und würden nicht mehr die Straßen belasten.“
Der Begründung für den Ausbau-Ausstieg, die Maßnahme sei zu teuer und der volkswirtschaftliche Nutzen zu gering, hält der erfahrene Hafen-Dienstleister entgegen: „Die fehlende Infrastruktur des Kanals aus Kaisers Zeiten und die veralteten kleinen Binnenschiffe sind es, die zu ständig schrumpfenden Transportmengen führen. Das ist die eigentliche Ursache dafür, dass die Marktnachfrage ausbleibt.“
Lehmann untermauert seine Aussage mit einer Begebenheit aus dem aktuellen Tagesgeschäft. So lag eine Logistikanfrage eines namhaften deutschen Zementherstellers auf dem Tisch, in der es um rund 300.000 Tonnen Zement für verschiedene skandinavische Staaten ging, zu verladen über die Terminal-Anlagen der Lehmann-Gruppe. Der Wunsch war, die Güter im Vorlauf per Binnenschiff nach Lübeck zu transportieren, um sie dann in Zement-Carrier mit bis zu 4500 tdw umzuschlagen. Lehmann: „Als unser Kunde dann aber hörte, dass die für den ELK benötigten kleineren Binnenschiffe mit 850 Tonnen Ladekapazität, zudem bedingt durch den zu geringen Tiefgang und die zu kleinen Abmessungen der Schleusen, gar nicht mehr in der ausreichenden Anzahl und auch Qualität verfügbar sind, kam das Geschäft in dieser Form leider nicht zustande.“
Dabei sei der Transport von klassischen Massengütern wie Baustoffe, Schrott, Getreide, Forstprodukte, aber auch von Schwergutladung von und nach Lübeck über den Wasserweg sowohl in ökologischer als ökonomischer Hinsicht effizient und sinnvoll. Lehmann weiter: „Der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ist für den Lübecker Hafen, die Gewerbe- und Industrieunternehmen rund um Lübeck eine unabdingbare Forderung.“
Auch beim Nautischen Verein zu Lübeck (NV Lübeck) verdreht man angesichts der aktuellen Entscheidung die Augen. Der Verband, der in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag mit einem großen Festakt in Lübeck feierte (der THB berichtete), hatte sich ebenfalls intensiv in den neuen HEP mit eingebracht und zum ELK ein eigenes Grundsatzpapier verfasst. Wolfgang Pistol, zweiter Vorsitzender des NV, teilte dem THB mit: „Für uns ist das unverständlich, dass das im BVWP 2030 als vordringliches Projekt ,Vollausbau des Elbe-Lübeck-Kanals‘ aufgenommene Vorhaben nunmehr offenbar schon in seiner Planungsphase behindert beziehungsweise zurückgestellt wird.“ Mit dieser Entscheidung würden „alle immer wieder vorgelegten Argumente für den Vollausbau des ELK ignoriert“. Pistol wörtlich: „Das lässt einen zornig werden, und zwar auch hinsichtlich der Verlässlichkeit getroffener Entscheidungen!“
In dem genannten Grundsatzpapier hatte der NV Lübeck unter anderem aufgeführt, dass 2019 der Bund der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bereits 15 neue Stellen für die Planungsarbeiten zum ELK-Ausbau zur Verfügung gestellt hatte. Inzwischen würden etwa 20 Fachkräfte an diesem Projekt arbeiten, so der NV Lübeck. EHA
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