ELK: Bund gibt auch Geld für Planung
Ein Top-Hinterland- Projekt für den Hafenstandort Lübeck bekommt immer klarere Konturen: die Ertüchtigung des mehr als 100 Jahre alten Elbe-Lübeck-Kanals (ELK).
Nachdem inzwischen klar ist, dass das Vorhaben als „vordringlicher Bedarf“ im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP 2020) eingestuft wurde, geht der Bund jetzt sogar noch einen Schritt weiter: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat jetzt auch „grünes Licht“ für die Bewilligung von rund zehn Millionen Euro gegeben, über die die erforderliche Ausbauplanung gegenfinanziert wird. Für das umfangreiche Facelifting des für die moderne Binnenschifffahrt inzwischen zu eng bemessenen Kanals sind im aktuellen BVWP rund 838 Millionen Euro hinterlegt worden. Für die aus Lübeck stammende Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm (SPD) sei mit den zehn Millionen auf jeden Fall der Startschuss für den aus Sicht der Hafen- und Logistikwirtschaft im Norden gegeben. Daher müssten jetzt schnell die nötigen Personalkapazitäten bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSA) geschaffen werden, fordert sie.
Zuständig für die Planungen ist das WSA in Lauenburg. Das Problem dort: Es fehlt bislang an fachlich geeignetem Personal für das auf viele Jahre hin angelegte Projekt. „Ich gehe davon aus, dass im ersten Jahr dort 20 zusätz liche Mitarbeiter und in den folgenden Jahren entsprechend mehr benötigt werden“, schätzt der CDU-Bundestagsabge ordnete Norbert Brackmann aus Lauenburg. Der Jurist gehört seit 2009 dem Deutschen Bundestag an. Kommt das Projekt ELK in die Umsetzungsphase, dürften bis zu 134 Mitar beiter nur mit dieser anspruchsvollen Ausbau planung beschäftigt sein. Der Fach kräftemangel könne dabei zum Problem werden, um die benötigten Ingenieur kapazität am Markt zu finden, befürchtet Brackmann.
Für Rüdiger Schacht, stellver tretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck, die schon seit den 1980er-Jahren, gemeinsam mit Kommunen und auch der Hafenwirtschaft, für das Vorhaben eintritt, sind die verbuchten Fortschritte in Sachen ELK während der zurückliegenden Monate ein Erfolg: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit den Forderungen der Wirtschaft endlich Gehör gefunden haben.“ Schacht ist bei der Kammer für die Standortpolitik verantwortlich.
Schacht unterstreicht noch einmal, wie wichtig die ELK-Ertüchtigung für den Norden ist. Schließlich sei der Kanal auch Teil des europäischen Binnenwasserstraßen netzes und somit ein wichtiges Bindeglied zwischen Mitteldeutschland und der Ostsee. „Das Agrarhandelsunterneh men ATR in Ratzeburg beispielsweise denkt bereits über neue Transportwege und die Erweiterung seines Handelsgebiets nach“, sagte Schacht.
In einem „Letter of Intent“ haben kürzlich 45 Unternehmen aus ganz Deutschland, Österreich und Tschechien ihre Absicht erklärt, den Kanal verstärkt zu nutzen, sobald die Infrastruktur eine moderne und wirtschaftliche Binnenschifffahrt ermöglicht (THB 5.September 2016).
Derzeit befahren jährlich etwa 2500 Güterschiffe mit einer Million Ladungstonnen und 5000 Sportboote den Kanal. EHA/dpa
