Kiels Hoffnungszug kommt aus Luxemburg

Netzwerk: Ab Mittwoch wird Kiel den neuen Ganzzug aus Luxemburg begrüßen. Start ist mit drei Zügen/Woche, Grafik: Hafen Kiel

Zuversichtlich: Dirk Claus , Foto: Arndt
Kein „Graf aus Luxemburg“, wie 1968 von Dorthe Kollo einst erfolgreich besungen, sondern „nur“ ein neuer Ganzzug im kombinierten Verkehr (KV) Schiene/Schiff ist der neue Hoffnungsträger für den Seehafen Kiel und sein über Jahre hinweg kontinuierlich gewachsenes KV-Segment.
Am Mittwoch wird der erste, rund 710 Meter lange Zug am Schwedenkai in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt eintreffen. Angesichts der großen Bedeutung, die alle Projektbeteiligten dem neuen Zugprodukt beimessen, reiste sogar Kiels Hafenchef Dr. Dirk Claus in den kleinen EU-Nachbarstaat. Denn vom Intermodal-Terminal Bettembourg, direkt neben einem der größten Rangierbahnhöfe in Westeuropa gelegen, wird am heutigen Dienstag der erste Zug gen Kiel im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung verabschiedet.
Betreiber des neuen Hinterland-Angebotes ist die CFL Intermodal, eine Tochtergesellschaft der Luxemburgischen Staatsbahnen CFL (Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeois). Ihre weiteren direkten Systempartner sind für diesen Zug die österreichische Lkw Walter Internationale Transportorganisation AG sowie die schwedische Stena Line, einer der wichtigsten Reedereikunden des Kieler Hafens.
Damit das neue Hinterland-Produkt in den Markt eingeführt werden konnte, waren viele Vorarbeiten nötig. Dazu gehörten/gehören auch vorbereitende infrastrukturelle Maßnahmen in Kiel.
So wurde der für die verschiedenen Hafenterminals wichtige Rangierbahnhof Meimersdorf von der Deutschen Bahn (DB AG) so ausgebaut, dass offiziell seit November 2019 Güterzüge mit einer Nutzlänge von 740 Metern ein- und ausfahren können. Bis dahin konnte Kiel nur Güterzüge mit einer maximalen Länge von 535 Metern empfangen. Kosten der Maßnahme: rund 7,9 Millionen Euro. Der Ausbau von Kiel-Meimersdorf gehörte zu den deutschlandweit 17 Schienenprojekten, die im Rahmen des Sofortprogramms Seehafen-Hinterlandverkehr II des Bundes von der DB umgesetzt wurden.
Denn auch im Eisenbahnwesen gilt das geflügelte Wort aus der Schifffahrt: „Länge läuft.“ Heißt: Jeder Meter mehr Zuglänge erhöht die Transportkapazität und verbessert damit die Wettbewerbsfähigkeit des Angebotes, gerade im Verkehrsträgerwettbewerb Schiene/Straße.
Eine weitere Kieler Infrastrukturmaßnahme befindet sich derzeit am Schwedenkai in der finalen Umsetzung: Kosten: gut 1,25 Millionen Euro. Hier entsteht im Bereich der sogenannten Einfahrtsgruppe ein zusätzliches drittes Gleis. Damit wird die Aufstellkapazität des Hafens für Waggons erhöht, um die Anzahl der Zugfahrten von und zum Rangierbahnhof Kiel-Meimersdorf zu verringern und somit auch Lärmemissionen zu reduzieren. Die Maßnahme wird noch in diesem Frühjahr abgeschlossen.
Der neue Luxemburg-Zug verkehrt von Kiel aus jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag. In Gegenrichtung verlässt der Ganzzug dann dienstags, donnerstags und sonnabends das Großherzogtum.
Der Hafen Kiel und auch die Reederei Stena versprechen sich vom neuen Zugangebot wichtige Wachstumsimpulse für das Segment KV, das 2019, nach Jahren des Wachstums, rückläufig war – aus verschiedenen Gründen. Hafenchef Claus: „Bereits im ersten Jahr rechnen wir mit 8000 Frachteinheiten on top.“ Zur Einordnung: Im abgelaufenen Geschäftsjahr kam Kiel auf exakt 23.843 KV-Einheiten und damit rund 5000 oder 17,4 Prozent weniger Behältnisse als 2018. In dem Jahr glänzte Kiel mit 28.865 Einheiten. Claus ist zuversichtlich: „Wir könnten 2020 unterm Strich auf gut 32.000 Einheiten im KV kommen.“
Für den Seehafen Kiel geht es beim Thema „intermodaler Verkehr“ jedoch nicht nur um die einzelne Tonne und die Frachtsendung mehr. Der Hafen, historisch so gewachsen, liegt heute mit wesentlichen Umschlaganlagen und Terminals gewissermaßen „mitten“ in der Stadt. Damit ist der Hafen inzwischen zu einem integralen Bestandteil des großen, von der Stadt und auch vom Land Schleswig-Holstein bearbeiteten Themenkomplex „Klimaschutz“ und „Luftreinhaltung“ geworden. Hafenchef Claus und sein Management-Team müssen und wollen bei diesem in der Öffentlichkeit durchaus emotional besetzen Themenfeld in jedem Fall liefern. Und dabei spielt ein emissionsarmer Hinterland-Verkehr auch eine entscheidende Rolle. Der Bettembourg-Zug spielt auf diesem Weg eine nicht unerhebliche Rolle. EHA
