Kritik an Oberleitungsbau auf Autobahnen
Die Bundesregierung soll sich nach Auffassung des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE) von ihren Plänen verabschieden, Tausende Kilometer elektrischer Oberleitungen für schwere Lkw über deutschen Autobahnen zu bauen.
Das Konzept sei aus Klimaschutzgründen mindestens unnötig, denn schwere Ferntransporte müssten und könnten zum allergrößten Teil auf die Schiene verlagert werden, teilt der Verband mit. Im Nahbereich würden Energiespeicher bereits heute leichtere elektrische Lkw versorgen können.
„Die Bundesregierung muss bei der Beratung des Klimaschutzgesetzes Farbe bekennen. Die Schiene kann liefern, benötigt dafür aber nach langer Vernachlässigung ein verlässliches Engagement des Bundes“, so NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Vordringlich ist aus Sicht des Verbandes eine kontinuierliche Steigerung der Budgetmittel für den „überfälligen“ Schienenausbau. Zudem müsse sich die Politik auf die Weiterentwicklung und Durchsetzung von emissionsfreien Straßenfahrzeugen im Nah- und Verteilerverkehr sowie die Schließung von Elektrifizierungslücken bei der Schiene konzentrieren, so dass durchgängig elektrische Gütertransporte schnell zunähmen.
Werde dagegen der Oberleitungsbau auf Autobahnen zum Regierungsprogramm, befürchtet Westenberger, dass Investitionsentscheidungen in die Schiene zugunsten eines „letztlich nur auf dem Papier erfolgreichen“ Konzepts unterblieben. Berlin müsse nun Ernst machen. Ein Beispiel sei das mit 75 Millionen Euro dotierte Sonderelektrifizierungsprogramm des Koalitionsvertrages. „Das entspricht ungefähr dem Anteil des Bundes, den er in nur drei Oberleitungs-Pilotprojekte auf deutschen Fernstraßen steckt“, so Westenberger. bek
