Carriern drohen drastische Umsatzeinbußen

Trotz massiver Kapazitätseinschnitte der Carrier auf den Routen ex Fernost geben die Raten am Container-Frachtenmarkt weiter nach.

Während der Shanghai Index SCFI am Freitag um 2,5 Prozent sank, fielen die Rückgänge beim World Container Index (WCI) und dem Freightos Baltic Global Index mehr als doppelt so hoch aus (minus 6 Prozent beziehungsweise minus 6,4 Prozent). Für die Relation China/Nordeuropa (Shanghai/Rotterdam) weist der WCI ein Minus auf Wochensicht von 9 Prozent auf 1851 US-Dollar (USD) pro FEU aus. Laut Freightos Baltic Index gab die durchschnittliche Spotrate auf der Route um 6,5 Prozent auf 1638 USD/FEU nach.

Die erweiterten Kapazitätseinschnitte, mit denen die Linien auf die Umschlagrückgänge aufgrund der Quarantänemaßnahmen in China reagieren, erweisen sich bislang als unzureichend, um die Transportpreise zu stützen. Dabei sind die Kürzungen beträchtlich: Laut der dänischen Marktforschungsfirma Sea-Intelligence belaufen sich die zusätzlich angekündigten Stellplatzreduzierungen für die Kalenderwochen 5 bis 14 im Transpazifikverkehr auf acht Prozent und im Asien-Europa-Verkehr auf zehn Prozent. Selbst wenn es den Carriern gelänge, die Frachten zu stabilisieren, drohen ihnen drastische Umsatzeinbußen, warnt Sea-Intelligence. Denn das Coronavirus dürfte das Aufkommen an Vollcontainer-Ladung ex Fernost um 1,7 Millionen TEU drücken, schätzen die Dänen. Bei einer Durchschnittsrate von 1000 USD/TEU würden den Linien somit Umsätze von zusammen 1,7 Milliarden US-Dollar entgehen. Sollte sich das Virus zu einer weltweiten Pandemie entwickeln, drohten noch drastischere Einbußen.

Auch der Chartermarkt für Containerschiffe bekommt die Krise immer stärker zu spüren. Infolge der Kapazitätseinschnitte und Dienstaussetzungen der Carrier ist das Angebot an charterfreien Schiffen deutlich gestiegen, wodurch die Tagesraten der Frachter unter Druck geraten. So sank der New ConTex vergangene Woche erneut um 1,7 Prozent. Auf Monatssicht liegt der Index fast fünf Prozent im Minus.

In der Dry-Bulk-Schifffahrt gab es hingegen einen ersten Hoffnungsschimmer. Nachdem die Raten seit Jahresanfang in einer Tour gefallen und deutlich unter Betriebskostenniveau gesunken sind, zog der Spotmarkt jetzt erstmals für alle Bulkertypen wieder an. Der Baltic Dry Index kletterte im Wochenverlauf um 72 auf 497 Punkte. Vor allem für Panamaxe (82.500 tdw) und Supramaxe (58.000 tdw) ging es mit den Charterraten bei steigenden Anfragen für Verschiffungen von der Ostküste Südamerikas aufwärts. mph/jpn/bek

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