Fernost-Ladung sorgt noch für Stabilität

Die wirtschaftlichen Einbrüche aufgrund der Coronakrise in den westlichen Industriestaaten treffen die Linienschifffahrt erst mit Verzögerung. Derzeit sorgt die zwischenzeitliche Erholung der Exportverladungen in Fernost noch für Stabilität in zahlreichen Diensten.

Die Ladungszuwächse hätten die Carrier kurzfristig an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht und die Frachtraten zum Teil nach oben getrieben, stellt der Preisinformationsdienst Platts fest. Allerdings hatten die Linien ihre Schiffssysteme seit Februar auch massiv abgespeckt und viele große Frachter vorübergehend aus dem Verkehr gezogen.

Der Aufholeffekt auf der Ladungsseite macht sich laut Platts vor allem im Transpazifikverkehr bemerkbar. So schoss die Benchmark-Spotrate für die Route von Nordasien zur US-Westküste binnen Wochenfrist um 300 auf 1550 US-Dollar (USD) pro FEU hoch. Die Index-Rate des World Container Index (WCI) für die gleiche Route (Shanghai-Los Angeles) zog etwa genauso stark an auf gut 1600 USD/FEU. Dank weiterer Ratensteigerungen unter anderem im Verkehr von Fernost zur US-Ostküste sowie ins Mittelmeer und auch im „Backhaul“-Verkehr von Europa nach Asien kletterte der WCI um sieben Prozent auf durchschnittlich 1585 USD/FEU.

Hapag-Lloyd-Vorstandschef Rolf Habben Jansen erklärte vergangene Woche, dass sich die Pandemie erst ab Mai deutlich auf die Ladungsmengen auswirken könne. Auch die Marktforschungsfirma Sea-Intelligence wies darauf hin, dass die Linienschifffahrt die Krise erst mit Verzögerung zu spüren bekomme, weil die Fabriken in Fernost noch die vorherigen Bestellungen aus Europa und Nordamerika abarbeiteten. Die jüngste Erholung im Containergeschäft in Asien lässt sich Schiffsmaklern zufolge auch an einer erhöhten Charteraktivität der Linien erkennen. Nach mehreren Wochen Pause wurden in den vergangenen zwei Wochen wieder mehrere Charterabschlüsse für große Schiffe mit Kapazitäten zwischen 6000 und 8500 TEU berichtet.

Zum Wochenende sackte allerdings der Shanghai-Index SCFI, der die Spotraten auf 13 Routen ex Shanghai abbildet, im Gegensatz zu den anderen Container-Indices um 1,5 Prozent ab. Das könnte darauf hindeuten, dass der Markt nun doch deutlicher an Schwung verliert.

Auch in der europäischen Kurzstreckenschifffahrt sorgen die Auswirkungen der Pandemie inzwischen für eine Abkühlung. Der European Short Sea Index des Branchendienstes BMTI konnte zwar zur Wochenmitte leicht zulegen und vorherige Verluste teilweise aufholen. Aus Maklerkreisen war aber zu hören, dass sich der Ladungszustrom in Nordeuropa wie auch dem Mittelmeer in der zweiten Wochenhälfte deutlich abschwächte. Vor allem bei Stahl und Baustoffen sei mit deutlichen Rückgängen zu rechnen, die nur zum Teil durch eine höhere Nachfrage bei Getreide- und Futtermittel kompensiert werden könnten, erklärte ein niederländischer Makler.  mph/bek

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