Hapag-Lloyd stellt Weichen für die Zukunft
Die erste Hauptversammlung der Hapag-Lloyd AG nach dem Börsengang im Oktober 2015 hat wichtige Weichen für die Zukunft der Reederei gestellt.
Dabei ging es am Freitag insbesondere um die Kapitalerhöhung von 400 Millionen Dollar, die Aufstockung des Aufsichtsrats von 12 auf 16 Mitglieder im Zuge der Fusion mit UASC und die Wahl neuer Mitglieder für das Kontrollgremium.
Konzernchef Rolf Habben Jansen blickte in seiner Rede zunächst auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Für das Jahr des Börsengangs hatte die Reederei erstmals seit 2010 einen Jahresüberschuss ausgewiesen. Dagegen nannte Habben Jansen das Ergebnis für das erste Halbjahr 2016 „leider enttäuschend“. Zwar würden die Kostensenkungen „weiterhin erfolgreich umgesetzt“. Auch die Synergien aus dem Zusammenschluss mit CSAV würden planmäßig erreicht. „Dies reicht jedoch nicht aus, um den deutlichen Rückgang der durchschnittlichen Frachtrate vollständig zu kompensieren.“
Der Ausblick für das laufende Gesamtjahr: geringfügig steigende Transportmenge; alle anderen im Chart aufgeführten Punkte – Bunkerverbrauchspreis, Frachtrate, EBITDA und EBIT – „deutlich rückläufig“. Umso wichtiger sei es, den Zusammenschluss mit UASC schnellstmöglich umzusetzen. Die Gespräche mit dem Management der UASC seien Ende vergangenen Jahres aufgenommen worden. Das kombinierte Unternehmen werde mit einer Transportkapazität von rund 1,6 Millionen TEU und einem erwarteten Marktanteil von sieben Prozent zu den fünf größten Containerlinienreedereien gehören. Mit dem Zusammenschluss von Hapag-Lloyd und UASC werde die Präsenz in den Verbindungen zwischen Asien und Nordeuropa einerseits und zwischen Asien und Nordamerika andererseits „deutlich gestärkt“, ebenso im Mittleren Osten.
Über UASC wird Hapag-Lloyd künftig auch mit Containerriesen in der Größenordnung 19.000 TEU am Markt agieren – „für uns ein wichtiger Schritt nach vorn, da wir so die Economies of Scale dieser Schiffe realisieren können“, führte Habben Jansen aus. Der Vorstandsvorsitzende betonte aber auch, dass er nicht daran glaube, „dass die grundsätzlichen Herausforderungen unserer Indus trie durch Schiffe gelöst werden können, die noch deutlich größer sind“. Größere Schiffe würden „nicht mehr wesentlich dazu beitragen, den Bunkerverbrauch und die Stückkosten signifikant zu reduzieren. Denn je größer die Schiffstypen würden, desto kleiner würden die zusätzlichen Skalenvorteile. Habben Jansen geht „fest davon aus, dass wir kurz- und mittelfristig keine noch größeren Schiffe als die vorhandenen 20.000-TEU-Schiffe sehen werden“, auch wenn das technisch möglich sei.
Die neu gegründete „The Alliance“ mit Hapag-Lloyd als größtem Teilnehmer wird im April 2017 starten, ist zunächst auf fünf Jahre festgelegt und wird mit rund 3,5 Millionen TEU etwa 17 Prozent der weltweiten Flottenkapazität umfassen.
Aktionäre lobten in der Generaldebatte die Anstrengungen und bislang erreichten Ziele. Es gab aber auch kritische Anmerkungen. Das betraf beispielsweise die hohe Verschuldung, die sich nach der Fusion mit UASC auf mehr als sieben Milliarden Dollar nahezu verdoppeln wird. Die Reduzierung der Erwartungen an den Geschäftsverlauf 2016 nur zwei Monate nach Bekräftigung der ursprünglichen Prognose wurde hinterfragt wie der deutliche Rückgang des Aktienkurses seit Börsenstart. Für Erheiterung sorgte die Frage eines Aktionärs, ob der gebürtige Niederländer Rolf Habben Jansen Däne sei. „Jansen, Jensen, Petersen, die heißen da ja alle gleich.“ Die Aktionärspräsenz der Hauptversammlung lag mit 93,8 Prozent sehr hoch. fab
