Hapag-Lloyd weckt neue Erwartungen

Erster Geschäftsbericht seit dem Börsengang und seit Inkrafttreten des Zusammenschlusses mit CSAV, erstes volles Geschäftsjahr mit Rolf Habben Jansen als Vorstandschef – die Präsentation der offiziellen Zahlen für 2015 bescherte gleich mehrere Premieren.

Knapp sechs Monate nach dem Börsenstart steht die Aktie von Hapag-Lloyd rund 15 Prozent niedriger als bei der Ausgabe. Für die Investoren der ersten Stunde hat sich das finanzielle Engagement bei Hapag-Lloyd bislang also nicht ausgezahlt. Heute bezog Habben Jansen bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2015 Stellung zur aktuellen Entwicklung und gab eine Prognose.

„Wir werden 2016 weiter dar an arbeiten, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, um unsere Performance im Vergleich zur Industrie zu halten und zu stärken“, sagte der Vorstandschef. Hapag-Lloyd sei „gut positioniert dank unseres ausgeglichenen Produktportfolios in allen Fahrtgebieten sowie unserer starken Präsenz in attraktiven Nischenmärkten wie dem Reefer-Geschäft, dem Transport von Spezialladung und Gefahrgut oder dem Kabotage-Geschäft“.

Der bisherige Geschäftsverlauf 2016 entspreche den Erwartungen. Habben Jansen geht davon aus, dass die aktuelle Konsolidierung in der Linienschifffahrt und die anstehende Neuordnung der Allianzen für mehr Stabilität im Markt sorgen und es dort „zu einer gewissen Erholung“ kommen wird. Für das Gesamtjahr stellt der Reedereichef „einen moderaten Anstieg des EBITDA und einen deutlichen Anstieg des EBIT im Vergleich zu 2015“ in Aussicht – allerdings unter Vorbehalt. Denn um dieses Ziel zu erreichen, müsse es 2016 wieder eine normale Hauptsaison geben. Das war im Vorjahr keineswegs der Fall. Als zusätzliche Bedingungen nannte Habben Jansen weitere Synergieeffekte, zusätzliche Kostensenkungen und Effizienz-Projekte.

An der Börse wurden Geschäftsbericht und Ausblick der Reederei mit Wohlwollen aufgenommen. Der Aktienkurs von Hapag-Lloyd war am Vormittag zunächst deutlich gefallen und notierte bei 16,35 Euro, ehe die Papiere innerhalb weniger Minuten exakt zur Veröffentlichung des Berichts einen Sprung um sieben Prozent hinlegten. Am Nachmittag notierte die Aktie bei 17,85 Euro. Sofern die Prog nosen für Konzern und Marktumfeld eintreffen, kann es bereits 2017 für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende geben, sagte Habben Jansen jetzt bei der Bilanzpräsentation.

Die vorläufigen Jahreszahlen für 2015 hatte Hapag-Lloyd bereits vor einige Wochen veröffentlicht. Jetzt kam die Bestätigung. Die Reederei verdiente im vergangenen Jahr 366 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen (EBIT). Im Jahr zuvor war noch ein Verlust von 383 Millionen Euro angefallen. Auf der Einnahmeseite gab es diesmal unter anderem auch Erlöse aus zahlreichen Schiffsverkäufen, denn die Flotte von Hapag-Lloyd reduzierte sich im Jahresverlauf von 198 auf 177 Einheiten. Mit einer Transportkapazität von rund 900.000 TEU steht Hapag-Lloyd in der Rangliste der Containerreedereien weltweit auf Platz sechs.

Der Konzernumsatz stieg von 6,8 auf 8,8 Milliarden Euro, weil die Containersparte der chilenischen Reederei CSAV erstmals in die Berechnung einging. Entsprechend stieg auch die Transportmenge um ein Viertel auf 7,4 Millionen Standardcontainer. Die durchschnittliche Frachtrate lag bei 1225 Dollar pro TEU – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent. Die Transportaufwendungen stiegen absolut betrachtet um knapp 20 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Dagegen sanken sie pro TEU um 20 Prozent auf 1089 Dollar pro TEU. Das lag vor allem am gesunkenen Bunkerverbrauchspreis, der 2015 mit 312 Dollar pro Tonne deutlich unter dem Vorjahresniveau von 575 Dollar pro Tonne lag.

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen für die Schifffahrt betrachtet der Vorstandschef das Jahresergebnis als Erfolg. Dazu hätten die schnelle Integration des CSAV-Containergeschäfts, die Hebung der Synergien und das Kosten einsparungs- und Effizienzprogramm „Octave“ beigetragen. Diese Maßnahmen würden ab diesem Jahr einen Ergebnisbeitrag von insgesamt 600 Millionen Dollar bringen. „Mehr als 70 Prozent der erwarteten Ergebnisverbesserungen haben wir bereits in 2015 realisiert“, so Habben Jansen. Deshalb sei bereits das Nachfolgeprogramm „Octave 2“ gestartet worden. Mit dem ebenfalls jetzt aufgelegten Projekt „Compete to Win“ werde versucht, „Kundenfokussierung und Umsatzqualität“ zu steigern.

Fokus auf Megafrachter

Der Trend unter den gro ßen Containerreedereien, immer größere Schiffe bauen zu lassen, ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern kaum noch ein geeignetes Mittel, um effizienter fahren zu können. Die Containerriesen schaffen mehr Probleme, als sie lösen, lautet ein zentraler Kritikpunkt. Zu den Kritikern zählt Ulrich Malchow, Professor für Maritime Economics an der Hochschule Bremen. Nach seiner Einschätzung gehen die vermeintlichen Kostenvorteile größerer Schiffe für die Reedereien immer mehr gegen null und würden mehr als ausgeglichen von längeren Liegezeiten in den Häfen.

Vom Marktführer Maersk sind erste Signale zu hören, dass noch größere Schiffe wohl nicht auf dem Wunschzettel des Managements stehen. Stattdessen lässt Maersk die ersten Giganten schon beschäftigungslos aufliegen. Hapag-Lloyd hat sich beim möglichen Kauf von Schiffen der 18.000-TEU-Klasse noch nicht festgelegt. „Die Entscheidung ist nicht einfach, wir werden uns damit noch Zeit lassen“, hatte Habben Jansen zu diesem Thema zuletzt geäußert. Dabei gab der Hapag-Lloyd-Chef aber auch zu bedenken: „Irgendwann brauchen wir Zugriff auf 18.000-TEU-Schiffe. Aber das muss nicht unbedingt über einen Kauf gehen, das kann auch im Rahmen unserer Allianz mit anderen Reedereien gelingen.“ Zur G6 Alliance zählen neben Hapag-Lloyd derzeit APL, Hyundai Merchant Marine, Mitsui O.S.K. Lines, Nippon Yusen Kaisha und Orient Overseas Container Line. fab

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben