LNG: Schluss mit „Henne oder Ei“

Lange ging es beim Einsatz von LNG als Schiffstreibstoff um die Henne-oder-Ei-Frage: Mangelnde Nachfrage gab wenig Anreiz für den Aufbau einer Versorgungsinfrastruktur, ohne Infrastruktur war jedoch auch die Nutzung von Flüssiggas keine Option – und so tat sich insgesamt wenig. Über dieses Stadium wächst die Schifffahrt aber gerade mit großen Schritten hinaus. Das berichtet die Koalition SEA-LNG, ein Zusammenschluss von Unternehmen und Institutionen, die sich für den weiteren Einsatz von LNG engagieren, in ihrem Jahresreport 2019.

Im Kern heißt es darin: Sowohl Versorgung als auch Bedarf wachsen heute parallel. In 93 Häfen weltweit sei das Bunkern von LNG inzwischen möglich, in 54 weiteren liefen konkrete Programme zum Aufbau einer Infrastruktur. Eine entscheidende Rolle spielen dabei auch Bunkerschiffe. Laut SEA-LNG seien weltweit bislang 12 solche Versorger im Einsatz und 27 in der Entwicklung. Maßstäbe setzt dabei auch heute noch das 7500-Kubikmeter-Schiff „Kairos“ des Hamburger Unternehmens Nauticor, das seit Frühjahr 2019 vor allem in Nord- und Ostsee aktiv ist. Aber auch im besonders wichtigen Bunker-Hub Singapur laufen die Arbeiten an lokal einsetzbaren Tankschiffen, ebenso im Mittelmeerraum und an der US-Ostküste (einen vollständigen Überblick gibt es im SEA-LNG-Report zum Download).

Auf der anderen Seite nimmt auch die Zahl der Schiffe, die LNG verbrennen, international zu. Dem Report zufolge waren im Juni 2019 insgesamt 163 LNG-betriebene Schiffe in Fahrt und 155 in Auftrag gegeben. Mit Stand Februar 2020 seien es 175 in Fahrt und 203 in den Orderbüchern, wobei noch 141 weitere Einheiten mit LNG-ready-Klassifizierung hinzukämen.

Die Plattform Alternative Fuels Insight (AFI) der Klassifizierungsgesellschaft DNV GL bestätigt den Trend: Von Januar bis Dezember 2019 seien genau 100 LNG-betriebene Schiffe neu bestellt worden, etwa dreimal mehr als im Durchschnitt von 2016 bis 2018. So sieht auch DNV GL im jüngsten AFI-Update den lang erwarteten Durchbruch von LNG erreicht, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es auch bei anderen Technologien Fortschritte zu verzeichnen gab, insbesondere im Batterie-Bereich. Dort seien heute 192 Schiffe in Betrieb und 196 in Entwicklung, der Großteil mit Hybridantrieben und Landstrom-Systemen. ger

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