Mengenrückgang untergräbt Frachtraten
Die Abkühlung des Weltwirtschaftswachstums schlägt bereits deutlich auf den Containerverkehr durch und dürfte den Eignern bei ihren geplanten Ratenerhöhungen Gegenwind bereiten. Jüngsten Ladungsdaten des britischen Marktforschers Container Trades Statistics zufolge ist der weltweite Boxenverkehr in den ersten beiden Monaten 2019 um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau geschrumpft. Absolut gingen die Verladungen um fast 550.000 TEU zurück, vor allem im Exportgeschäft aus Asien heraus, in dem die Reeder ihre größten Umsätze generieren.
Die dänische Beratungsfirma Sea-Intelligence stuft die Situation als „besorgniserregend“ für die Linien ein. „Die Abschwächung der Volumina scheint allgemein zu sein und nicht beschränkt auf eine bestimmte Region.“ Insofern könne man die Entwicklung nicht mit einzelnen Handelskonflikten erklären. Bereits zuvor hatte die Welthandelsorganisation ihre Wachstumsprognose für den Welthandel in diesem Jahr von 3,7 auf 2,6 Prozent gesenkt.
Die jüngsten Daten erklären, warum die Frachtraten im Containersektor auch nach dem chinesischen Neujahr weiter massiv unter Druck standen. Der Shanghai Index SCFI für die Fernost-Spotraten lag im März durchschnittlich fast 15 Prozent unter dem Niveau des Februars und 11 Prozent niedriger als vor drei Monaten. Erst vor rund zwei Wochen ging es aufgrund allgemeiner Ratenanhebungen im Transpazifikgeschäft ein Stück weit nach oben. Vergangene Woche kam der Aufwärtstrend allerdings wieder zum Erliegen. Dabei bieten die unterschiedlichen Fahrtgebiete ein sehr gemischtes Bild. Während die Linien im Verkehr von Fernost nach Nordamerika per 1. April deutliche Erhöhungen durchsetzten, driften die Raten im Asien-Europa-Verkehr immer weiter nach unten.
Die Indexraten des SCFI für die Strecken Shanghai-Nordeuropa und Shanghai-Mittelmeer liegen aktuell bei nur 658 und 711 Dollar pro TEU. Wegen der zunehmenden Ablieferung von Schiffen mit mehr als 18.000 TEU, die für den Fernost-Europa-Verkehr prädestiniert sind, neigt der Markt Fernost westgehend zur Überkapazität. Laut Alphaliner steigt die Gesamtkapazität auf der Relation Fernost-Nordeuropa dieses Jahr um gut acht Prozent auf rund 300.000 TEU pro Woche. Dennoch haben sich mehrere Reeder für Mitte April vorgenommen, die Raten auf 900 bis 1000 Dollar pro TEU anzuheben.
Im europäischen Kurzstreckenverkehr für Bulk und Breakbulk ist die saisonale Belebung der Verkehre zum Frühling bislang ausgeblieben. Aktuell nimmt die Verfügbarkeit an Schiffsraum eher wieder zu, die Spotraten geben leicht nach. mph/fab
