Nordrange spürt Wettbewerbsdruck

Sondereffekte verhalfen dem Hafen Antwerpen 2015 zu einem deutlichen Umschlagplus, Foto: Port of Antwerp
Die veröffentlichten Jahresabschlüsse der Nord range-Häfen zeigen teilweise deutlich gesunkene Containerumschläge im Jahr 2015, stellt die Nord/LB in ihrem jetzt veröffentlichten Marktbericht fest.
Insbesondere in Hamburg gingen die Containerumschläge um neun Prozent auf 8,82 Millionen TEU zurück. Die HHLA verbuchte für das Geschäftsjahr 2015 sogar ein noch deutlicheres Minus von 12,6 Prozent an den drei Hamburger Containerterminals. Bremenports berichteten einen um vier Prozent unter dem Vorjahresniveau liegenden Containerumschlag von 5,55 Millionen TEU. Ein Teil der Ladung dürfte vom JadeWeserPort in Wilhelmshaven absorbiert worden sein, so die Nord/LB. Dafür sprächen auch die von Eurogate vorgelegten Jahresabschlussdaten. Der JadeWeserPort verzeichnete eine Versechsfachung des abgefertigten Containervolumens. Die berichteten 427.000 TEU schöpfen die vorhandenen Kapazitäten von 2,7 Millionen TEU jedoch weiterhin nur marginal aus, heißt es im Marktbericht.
Rotterdam hielt das Containeraufkommen relativ stabil. Der Umschlag lag mit 1,22 Millionen TEU nur um ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Hafen Antwerpen ein überraschendes Plus von acht Prozent auf 9,65 Millionen TEU. Allerdings sind hier Sondereffekte zu beachten. In Zeebrugge gab es einen Rückgang um 23,8 Prozent auf 1,56 Millionen TEU. Grund war der Rückzug des Containerterminalbetreibers PSA von dem Standort. Da PSA auch in Antwerpen aktiv ist, sind hier Kapazitätsverlagerungen erkennbar.
Der Aufwärtstrend in Antwerpen setzte sich im ersten Quartal 2016 fort. Der Containerumschlag legte um 4,6 Prozent zu, der Gesamtumschlag lag knapp vier Prozent über dem Ergebnis des Vorjahresquartals (THB 19. April 2016). Dagegen entwickelte sich Rotterdam als Europas größter Hafen im Startquartal 2016 beim Containerumschlag mit minus 3,9 Prozent rückläufig und beim Gesamtumschlag mit plus 0,2 Prozent knapp positiv (THB 20. April 2016).
Containermarkt gesättigt
Zum Jahresauftakt deutete der RWI/ISL-Containerumschlag-Index zunächst auf eine positive Entwicklung im Welthandel hin. Der für Januar zunächst gemeldete Wert von 120,7 Punkten hätten einen Zuwachs bedeutet. Doch dann wurde der Wert auf 117,9 Zähler korrigiert. Für Februar 2016 wurden 118,7 Punkte berechnet. „Dabei sollte beachtet werden, dass das erste Quartal stark vom chinesischen Neujahrsfest beeinflusst ist“, so die Nord/LB. Dadurch sei es insbesondere in den chinesischen Häfen zu einer Verschlechterung der Datenqualität gekommen. Skepsis in Bezug auf die Belebung der Umschläge bleibt, resümiert die Nord/LB. Der langfristige Trend sei seit 2014 weiter abgeflacht. Am Containermarkt zeige sich eine gewisse Sättigung.
M2 „recht aggressiv“
Neben den aktuellen Marktbedingungen belasten die Unsicherheiten über die sich abzeichnenden Veränderungen innerhalb der Liner-Allianzen die Terminalbetreiber. Die Kooperation zwischen MSC und Maersk, 2M, ist laut Marktteilnehmern derzeit recht aggressiv unterwegs, um Marktanteile hinzuzugewinnen. Da die 2M bereits über eine ULCS-Flotte verfügt, ist die Auslastung der Megacarrier ein Grund für die aktuelle Preispolitik, führt die Nord/LB aus. War MSC bisher bereits bekannt für durchaus niedrige Frachtpreise, ergeben sich neue Dimensionen mit der Rückkehr von Maersk zu dieser Wettbewerbsform. Die Nummer drei im Liner-Ranking, CMA CGM, hat jetzt ihre Allianz mit COSCO, Evergreen und OOCL besiegelt. fab
