Öl-Preiskampf setzt Impulse

Nach dem starken Rückgang der Charterraten für Rohöltanker seit Jahresanfang hoffen die Reedereien jetzt auf eine Trendwende. So gehen Experten davon aus, dass der frisch entfachte Preiskampf unter den Opec-Staaten und anderen Förderländern kurzfristig zu einem Anstieg der Ladungsmengen führt.

Nach dem Scheitern einer Einigung über weitere Förderkürzungen zur Stützung der Ölpreise auf dem Opec-Ministertreffen vergangene Woche hat Saudi-Arabien am Wochenende einen Vorstoß zur Ausweitung seiner Exporte gemacht und die Lieferpreise für April deutlich abgesenkt. In der Folge kam der Rohölmarkt am Montag so stark unter Druck wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Der Preis der Nordseesorte Brent brach zeitweilig um knapp ein Drittel auf 31 US-Dollar pro Barrel ein. Bis Mittag erholte sich der Kurs auf mehr als 35 Dollar, am Dienstag lag er dann wieder über 37 Dollar.

Das Scheitern der Opec-Vereinbarung und die damit zu erwartenden Produktionserhöhungen seien „fantastische Nachrichten“ für den Tankermarkt, urteilt der norwegische Schiffsmakler und Finanzdienstleister Fearnleys. Allein in den Golfstaaten dürften die Fördermengen kurzfristig um 2,1 Millionen Barrel pro Tag wieder ansteigen. Der zusätzliche Export würde ausreichen, um weitere rund 50 Supertanker der VLCC-Klasse auf der Route vom Persischen Golf nach Fernost zu beschäftigen, so die Schätzung. Ein solcher Schub bei der Transportnachfrage würde sicher die Fracht- und Charterraten beflügeln, die seit Januar im Zuge der Coronakrise erheblich nachgelassen haben. Die durchschnittlichen Spoteinnahmen der VLCC lagen Ende vergangener Woche bei rund 35.000 Dollar pro Tag – knapp halb so hoch wie Ende 2019.

Skeptiker bezweifeln allerdings, dass die geplanten Exportausweitungen Saudi-Arabiens tatsächlich zu einer Steigerung im weltweiten Rohöltransport führen. Denn die weltweite Nachfrage bleibt angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 gedämpft. Die Internationale Energieagentur (IEA) hält einen Rückgang von bis zu 730.000 Fass pro Tag (entspricht etwa 0,7 Prozent) auf das Gesamtjahr betrachtet für möglich. Allerdings könnten Raffinerien und Händler den Preisverfall nutzen, um ihre Lagerbestände auszuweiten. Auch mehr Tankschiffe als „schwimmende“ Rohöllager zu nutzen, gilt als wahrscheinlich, was die für den Transport zur Verfügung stehende Kapazität beschränken würde.

Unterdessen kann die verladende Wirtschaft auf Kosteneinsparungen im Seetransport hoffen, weil sich der Einbruch der Ölpreise auch in den Notierungen für Schiffstreibstoffe niederschlägt. mph/jpn/ger

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben